Neues Trump-Enthüllungsbuch von Bob Woodward: "Er ist ein Idiot"

5. September 2018 - 21:10 Uhr

Enthüllungsbuch: "Angst - Trump im Weißen Haus"

"Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist entgleist". Diese Worte soll Stabschef John Kelly im Kreis von Mitarbeitern über US-Präsident Donald Trump gesagt haben. Es sind pikante Auszüge aus einem neuen Enthüllungsbuch über die Trump-Regierung. Geschrieben von keinem Geringerem als Pulitzer-Preisträger Bob Woodward, der einst zusammen mit Carl Bernstein die Hintergründe der Watergate-Affäre aufdeckte.

Brisante Mitschnitte und Zitate aus Trumps engstem Kreis

Pulitzer-Preisträger Bob Woodward
Bob Woodward deckte gemeinsam mit Carl Bernstein als Reporter der "Washington Post" die Hintergründe der Watergate-Affäre auf.
© REUTERS, Alex Gallardo, AG/AC

Schon wieder gerät der US-Präsident durch ein Enthüllungsbuch unter Druck. Es schildert beängstigende Zustände im Weißen Haus. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt nur wenige Wochen bevor die Amerikaner einen neuen Kongress wählen. Die "Washington Post" hat jetzt erste Details aus dem Buch "Angst - Trump im Weißen Haus" veröffentlicht, das am 11. September in den USA erscheinen soll.

Darin berichtet Autor Bob Woodward unter anderem, der damalige Wirtschaftsberater Gary Cohn habe "einen Brief von Trumps Schreibtisch gestohlen", mit dem der Präsident ein Handelsabkommen mit Südkorea habe auflösen wollen. Cohn habe einem Mitarbeiter später gesagt, er habe damit die Nationale Sicherheit schützen wollen - und dass Trump das Fehlen des Schreibens nicht bemerkt habe. 

Trump wollte offenbar Syriens Präsident Baschar al-Assad töten lassen

Wenn man die Ausschnitte aus dem Buch liest, erscheint das Weiße Haus tatsächlich als ein Hort des Chaos. Woodward berichtet, Trump habe nach einem Chemiewaffenangriff in Syrien im April 2017 Pentagon-Chef James Mattis angerufen und gesagt, er wolle Präsident Baschar al-Assad umbringen lassen: "Lass ihn uns verdammt nochmal töten. Lass uns reingehen." Mattis habe dem Präsidenten zugesichert, er werde sich darum kümmern. Nach dem Telefonat habe Mattis einem hochrangigen Mitarbeiter gesagt: "Wir werden nichts davon tun. Wir werden viel maßvoller sein."

Woodward berichtet auch über die Verzweiflung im Weißen Haus über Trumps Twitter-Arien. Der frühere Chef des Stabes, Reince Priebus, habe Trumps Schlafzimmer - wo der Präsident Kabel-TV schaut und Tweets absetzt - als "Werkstatt des Teufels" bezeichnet. Als Twitter die maximale Zahl der Buchstaben in Tweets auf 280 verdoppelte, soll das Trump laut Woodward mit den Worten beklagt haben: "Ich war der Ernest Hemingway der 140 Buchstaben."

US-Regierung unter Druck: "Lügengeschichten von verärgerten früheren Mitarbeitern"

US-Präsident Donald Trump
Nur Stunden nach Veröffentlichung erster Inhalte schlägt das Weiße Haus in scharfem Ton zurück.
© dpa, Michael Kappeler, mkx

Das Weiße Haus hat die Darstellungen Woodwards scharf zurückgewiesen. Das Buch enthalte nichts anderes als "Lügengeschichten, viele davon von verärgerten früheren Mitarbeitern", teilte Trumps Sprecherin Sarah Sanders mit. Trumps Stabschef John Kelly wies besonders die Darstellung Woodwards zurück, wonach er Trump als "Idioten" bezeichnet habe. "Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, die Menschen zu beschmutzen, die Präsident Trump nahestehen, und von den vielen Erfolgen der Regierung abzulenken".

Die "Washington Post" veröffentlichte auch einen Mitschnitt und ein Transkript eines Telefonats Trumps mit Woodward nach Abschluss des Buch-Manuskripts. Woodward hatte sich zuvor um ein Interview mit Trump bemüht, das aber nicht zustande kam. Trump soll in dem Telefonat gesagt haben, niemand habe ihn darüber informiert. Er soll ebenfalls die Erwartung geäußert haben, dass das Buch negativ ausfällen wird, versuchte aber, das als belanglos abzutun. "Also habe ich ein weiteres schlechtes Buch, das rauskommt. Große Sache."

Präsident nannte Ex-Mitarbeiterin "Hund"

Enthüllungsbuch "Fire and Fury"
Anfang 2018 hatte bereits das Buch "Fire and Fury - Inside the Trump White House" des Journalisten Michael Wolff ein verheerendes Bild des US-Präsidenten gezeichnet.
© dpa, Steve Helber, MR abl

Woodwards Werk ist nicht das erste Enthüllungsbuch über Trumps unkonventionelle Präsidentschaft. Im Januar hatte "Fire and Fury" Washington erschüttert, das Buch des Autors und Journalisten Michael Wolff hatte die Frage aufgeworfen, ob Trump dem Amt gewachsen ist. Im vergangenen Monat hatte die frühere Mitarbeiterin des Weißen Hauses, Omarosa Manigault Newman, in ihrem Insider-Buch diese Zweifel nochmal verstärkt. Trump beschimpfte sie daraufhin auf Twitter als "Hund".