"Warum tun sie uns das immer wieder an?"

Neues Flüchtlingslager Moria auf Lesbos überflutet

14. Oktober 2020 - 18:05 Uhr

Heftige Regenfälle in neuem Flüchtlingslager Moria

Die Bilder der Brände im alten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos gingen um die Welt. Über 12.000 Geflüchtete haben bei dem Feuer im September alles verloren. Jetzt ist auch das neue Flüchtlingslager Moria betroffen: Diesmal von heftigen Regenfällen. Unter welchen Lebensbedingungen die Menschen dort ausharren müssen – im Video.

Zelte stehen komplett unter Wasser

In dem neuen Flüchtlingslager Moria leben etwa 7.500 Menschen, 60 Prozent davon sind Frauen und Kinder. Die Zelte schützen die Menschen kaum – vor allem vor dem kommenden Winter. "Die Situation ist entwürdigend und komplett inakzeptabel", heißt es in einem Statement von Stephan Oberreit, dem Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen. "Einige unserer Patientinnen und Patienten haben berichtet, dass ihre Zelte unter Wasser stehen und ihre Habseligkeiten völlig durchnässt sind."

"Warum tun sie uns das immer wieder an?" soll einer der Geflüchteten Oberreit gefragt haben. "Alles, was wir wollen, ist ein Dach über dem Kopf, ein sicherer Ort, um zu bleiben. Warum sind wir diesen Bedingungen ausgesetzt?"

Geflüchtete sind Kreislauf des Elends ausgesetzt

Nach dem Brand in Moria wollte die Europäische Union eigentlich nicht mehr solche Camps für Geflüchtete. Doch es ist dennoch so gekommen: Die Geflüchteten müssen in schutzlosen Zelten unterkommen und sind den schlimmen Zuständen vor Ort ausgeliefert. "Die Menschen, die hier festsitzen, brauchen einen sicheren Ort, an dem sie ein Leben in Würde beginnen können. Stattdessen wurden sie von einem gefährlichen Erstaufnahmelager in das nächste gesteckt, ohne Rücksicht auf die Risiken für ihre physische und psychische Gesundheit. Diese Vernachlässigung ist eine gewollte – und schlichtweg eine Schande", lauten die klaren Worte von Stephan Oberreit.

Wann dem Kreislauf des Elends ein Ende gesetzt wird, ist unklar. Aus Fehlern hat man hier offensichtlich nicht gelernt.