14. April 2019 - 17:48 Uhr

Sozialkompetenz und Empathie für Medizinstudium

Einen begehrten Studienplatz für Medizin ergattern ohne Top-Schulnoten - das ist seit dem 1. April in Nordrhein-Westfalen möglich. Anwärter für das Medizinstudium werden auf Sozialkompetenz und Empathie abgeklopft. Ist das ein neuer Trend in der universitären Ausbildung?

Hintergrund für die Auswahl der Studenten ist allerdings kein radikales Umdenken in der Medizinerausbildung. Vielmehr will das Land Nordrhein-Westfalen mehr Mediziner aufs Land locken. Denn in ländlichen Gebieten herrscht bundesweit akuter Ärztemangel. Bei Bewerbern mit hoher Empathie hofft man offenbar, dass der berufliche Ehrgeiz nicht ganz so hoch ist.

Für das Wintersemester 2019/2020 stehen 145 so genannte Landarzt-Studienplätze zur Verfügung. Wer sich darauf einlässt, muss sich folgenden Bedingungen unterwerfen: Der zukünftige Mediziner muss sich verpflichten, nach der Aus- und Weiterbildung zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Wer den Vertrag nicht erfüllt, muss mit einer Strafzahlung in Höhe von bis zu 250.000 Euro rechnen.

Das Auswahlverfahren ist ebenfalls kein Spaziergang: Auch bei der Vergabe eines Landarzt-Studienplatzes wird auf Grundlage der sogenannten "Vorleistungen" (Abiturnote, Ergebnis des Tests für Medizinische Studiengänge (TMS) und Zeiten einer einschlägigen Ausbildung oder beruflichen Tätigkeit) wird eine Vorauswahl unter den Bewerberinnen und Bewerbern getroffen. Erst danach werden die Bewerber zum Auswahlgespräch eingeladen. Erst beim Auswahlgespräch werden ganztägig die "sozial-kommunikativen Kompetenzen" in Interviews und Rollenspielen überprüft.

Wer sich darauf einlassen möchte: Das Bewerbungsverfahren läuft bis zum 30. April 2019.

Quelle: DPA/RTL.de