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Neuer Rating-Rundumschlag: Fitch stuft fünf Euro-Länder herab

Neuer Rating-Rundumschlag: Fitch stuft fünf Euro-Länder herab

Fitch stuft fünf Euro-Länder herab
Nach dem Rundumschlag der US-Ratingagentur Standard & Poor's stuft jetzt auch die Ratingagentur Fitch fünf Euro-Länder herab.
dpa, Oliver Berg

Sechs Euro-Länder mit negativer Aussicht

Es war eine Herabstufung mit Ansage. Dennoch dürfte die Entscheidung der Ratingagentur Fitch, die Kreditwürdigkeit großer Volkswirtschaften wie Italien und Spanien gleich um zwei Stufen zu senken, die Euroretter vor ihrem Gipfel am Montag weiter unter Druck setzen.

Bereits seit Dezember standen sechs Länder unter verschärfter Beobachtung durch die Ratingagentur. Jetzt stufte Fitch wie angedroht die Kreditwürdigkeit von fünf Ländern herab. Neben der dritt- (Italien) und viertgrößten (Spanien) Volkswirtschaft wird auch die Bonitätsnote Sloweniens gleich um zwei Noten gesenkt. Bei Belgien und Zypern senkte Fitch um eine Note. Irlands Rating blieb unangetastet. Zudem wurde die Kreditwürdigkeit aller sechs Länder mit einem negativen Ausblick versehen. Demnach droht mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent eine Herabstufung in den nächsten beiden Jahren.

Fitch hatte die sechs Länder im Dezember unter verschärfte Beobachtung gestellt und seitdem ihr Rating überprüft. Managing Director Edward Parker hatte die Herabstufung bereits vor eineinhalb Wochen angekündigt. Italien war kurz zuvor bereits von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) heruntergestuft worden.

Finanzmärkte reagieren gelassen

Die Ratingagentur begründet ihre Entscheidung mit einer gesunkenen Fähigkeit der Länder, auf Schocks zu reagieren und verweist auf den kurzfristig trüben wirtschaftlichen Ausblick. Schlechtere Bonitätsnoten erschweren es Schuldnern in der Regel, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen.

Die Bonität Italiens wurde von Fitch von bisher 'A+' auf 'A-' gesenkt. Durch die gestiegenen Zinsen für italienische Anleihen sei eine neue Schuldendynamik entstanden, hieß es bei Fitch. In Spanien habe sich der wirtschaftliche und fiskalische Ausblick verschlechtert. Die Bonitätsnote sinke daher von 'AA-' auf 'A'.

Zypern ('BBB-') und Slowenien ('A') wurden vor allem wegen Problemen im Bankensektor herabgestuft. Bei Irland ('BBB+') verzichtete Fitch trotz der Drohung auf eine Herabstufung. Belgien hat jetzt nach der Herabstufung mit 'AA' (bisher 'AA+') die drittbeste Note im System von Fitch.

Ausgenommen von der Ratingentscheidung waren Länder mit der Bestnote 'AAA' sowie Portugal und Griechenland, deren Bewertung auf Ramschniveau ist. Die Ratingagentur S&P hatte zuletzt bei ihrem Rundumschlag am 13. Januar auch 'AAA'-Länder wie Frankreich und Österreich herabgestuft.

Die Finanzmärkte reagierten sehr gelassen auf die Nachricht. Der Eurokurs stieg sogar auf ein neues Tageshoch von 1,3220 US-Dollar. Der US-Aktienmarkt reagierte kaum. Die Entscheidung sei am Markt bereits erwartet worden, sagten Händler. Zudem bewerte Fitch die meisten Länder besser als Standard & Poor's.