Neuer Prozess gegen Top-Terrorist 'Carlos'

Das Fahndungsfoto von 'Carlos' mit der getönten Brille flimmerte in den 80er Jahren oft über die Bildschirme.
Das Fahndungsfoto von 'Carlos' mit der getönten Brille flimmerte in den 80er Jahren oft über die Bildschirme.

24. November 2011 - 19:03 Uhr

Anschläge dienten der Erpressung

Vor einem Pariser Sondergericht hat ein neuer Prozess gegen den ehemaligen Top-Terroristen Illich Ramirez Sanchez alias 'Carlos' begonnen. Wegen Mittäterschaft bei vier Anschlägen aus den 80er Jahren in Frankreich muss sich der 62-jährige Venezolaner ab diesem Montag verantworten. Bei den Attentaten starben elf Menschen, mehr als 100 wurden verletzt.

Zusammen mit seinen deutschen Komplizen Christa Margot Fröhlich und Johannes Weinreich sowie dem flüchtigen Mitangeklagten Ali al-Issawi ließ 'Carlos' am 29. März 1982 eine Bombe im Zug von Paris nach Toulouse explodieren. Der Anschlag soll dem damaligen französischen Oppositionsführer und späteren Präsidenten Jacques Chirac gegolten haben.

Die Anklage stützt sich dabei auf Dokumente aus der DDR und Ungarn. Es folgten Anschläge auf ein Büro des arabischen Magazins 'Al Watan Al Arabi', den Bahnhof Marseille und einen TGV-Zug. Dabei kamen elf Menschen ums Leben, mehr als 100 wurden verletzt. 'Carlos' hatte sie laut Anklage in Auftrag gegeben, um die Freilassung zweier Komplizen zu erpressen. Wenige Tage nach dem Ultimatum ging die erste Bombe in die Luft.

Medien nannten ihn "Schakal"

Der ehemalige Top-Terrorist und meistgesuchte Mann Frankreichs sitzt bereits seit 1997 im Gefängnis, weil er in den 70er Jahren zwei französische Geheimdienstbeamte und ihren Informanten tötete. Dafür bekam er eine lebenslängliche Haftstrafe aufgebrummt - doch Frankreich ist noch nicht fertig mit ihm. Jahrelang hat der Untersuchungsrichter Jean-Louis Bruguière in den vier Fällen vermittelt, denen sich der selbsternannte Berufsrevolutionär 'Carlos' ab heute stellen muss. An dem bis zum 16. Dezember angesetzten Prozess nehmen insgesamt 51 Nebenkläger und 65 Zeugen teil.

Geboren wurde der 62-jährige 'Carlos' 1949 als Sohn eines wohlhabenden Anwalts in Caracas, Venezuela. Nachdem der Vater sich früh für den Marxismus begeisterte und seine drei Söhne nach dem Kommunistenführer Wladimir, Illich und Lenin benannte, begann auch Illich ein Marxismus-Studium in Moskau. Nach zwei Jahren flog er von der Uni. Grund: der selbstverliebte und spätere Jetset-Terrorist gab sein Geld lieber für teure Klamotten und gutes Essen aus anstatt für Bücher.

Nach seinen ersten blutigen Attentaten wurde dem brutalen Terroranführer von den Medien der Name "Schakal" verliehen, weil Ermittler in seinem Pariser Versteck den gleichnamigen Roman entdeckten. "Carlos - der Schakal" heißt auch der Film über den ehemaligen Top-Terroristen, der in diesem Jahr erschienen ist. Der 62-Jährige selbst sieht sich als Opfer und träumt sogar von einer Freilassung. Dann würde er erst einmal mit seiner dritten Ehefrau in die Flitterwochen ziehen.