"Neuer Grad der Grausamkeit": Hunderte Menschen von Geisterschiff gerettet

5. Januar 2015 - 13:12 Uhr

360 Flüchtlinge erreichen Hafen von Corigiliano Calabro

Italiens Küstenwache hat mit einem spektakulären Rettungseinsatz auf hoher See erneut eine Flüchtlingstragödie mit möglicherweisen Hunderten Toten abgewendet. Rettungskräfte sicherten den führerlosen Frachter 'Ezadeen' und retteten so etwa 360 Einwanderern das Leben. Das Schiff erreichte den Hafen von Corigiliano Calabroe, die Menschen sind jetzt an Land.

450 Flüchtlinge erreichen Hafen von Corigiliano Calabro
Flüchtlinge blicken kurz vor ihrer Rettung in Italien aus dem Frachtschiff.
© REUTERS

Die Menschenschmuggler hatten die überwiegend aus Syrien stammenden Menschen - darunter viele Kinder und schwangere Frauen - zuvor auf offener See ihrem Schicksal überlassen. Viele der Flüchtlinge an Bord des fast 50 Jahre alten, unter der Flagge Sierra Leones fahrenden Frachters für Viehtransporte litten unter Unterkühlung.

Es ist bereits das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass ein Flüchtlingsschiff ohne Besatzung vor der Küste des Landes im Mittelmeer entdeckt wurde.

Das Phänomen der 'Geisterschiffe' im Mittelmeer, die ohne Besatzung und vollgepfercht mit Flüchtlingen ihrem Schicksal überlassen werden, zeigt nach Ansicht der EU-Grenzschutzagentur Frontex einen "neuen Grad der Grausamkeit". "Das ist eine neue Erscheinung dieses Winters", sagte Pressesprecherin Ewa Moncure in Warschau. Der Schmuggel von Flüchtlingen sei ein "Multimillionengeschäft".

Flüchtlinge setzten Notruf ab

Für die Schmuggler lohne sich die Rechnung, wenn ein bereits ausgemustertes Schiff ohne Crew und Treibstoff auf dem Meer zurückgelassen werde.

Den Flüchtlingen sei es gelungen, einen Notruf abzusetzen, woraufhin Italiens Küstenwache am Donnerstagabend einen Rettungseinsatz startete. Ein Hubschrauber der Küstenwache brachte mehrere Einsatzkräfte an Bord des Schiffes, darunter auch einige Ärzte. Am späten Freitagabend erreichte der Kahn dann den Hafen von Corigiliano Calabro.

Nach Angaben des Schiffsinformationsdienstes MarineTraffic war der letzte bekannte Hafen, in dem der Frachter Mitte Dezember angelegt hatte, Famagusta in Nordzypern. Als vorheriger Hafen wurde Tartus in Syrien angegeben.

Erst in der Nacht zum Mittwoch waren fast 800 Bootsflüchtlinge auf einem führerlosen Frachter vor Süditalien nur knapp einer Katastrophe entgangen. Das Schiff 'Blue Sky M' hatte 796 Migranten an Bord, wie die Küstenwache zuletzt mitteilte und damit die ursprüngliche Zahl von 768 Menschen nach oben korrigierte. Der Frachter war auf die Küste zugesteuert, konnte jedoch unter Kontrolle gebracht werden.