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Neuer Corona-Plan ab Oktober: Brauchen wir jetzt alle schnell die vierte Impfung?

Neue Corona-Schutzverordnung für den Herbst liegt RTL vor

Brauchen wir jetzt alle so schnell wie möglich die vierte Impfung?

Corona-Verordnung für den Herbst
Corona-Verordnung für den Herbst
www.imago-images.de, IMAGO/Political-Moments

von Nina Lammers und Laura Thiel

Jetzt ist es offiziell – der sogenannte Corona-Winterreifen-Plan liegt vor. Schon am Mittwoch stellten Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Justizminister Marco Buschmann (FDP) neue Corona-Regeln vor, die von Oktober bis April gelten sollen.

Der Entwurf zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes soll am 24.8. ins Kabinett, am 16.9. durch den Bundesrat und dann am 1. Oktober 2022 in Kraft treten. RTL liegt er bereits jetzt vor!

Die größte Änderung: Die Zielsetzung in der Pandemie-Bekämpfung hat sich geändert! Ziel ist NICHT mehr die Eindämmung der Pandemie, sondern die Abmilderung der Zahl der Infektionen.

Video: Lauterbach erklärt seinen Corona-Winterreifen-Plan

Karl Lauterbach spricht über neuen Corona-Herbst-Plan Bundesgesundheitsminister im Interview
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Bundesgesundheitsminister im Interview
Karl Lauterbach spricht über neuen Corona-Herbst-Plan

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Müssen wir uns alle ein viertes Mal impfen lassen?

Ein großes Problem könnte es mit der Impfung geben.

2G oder 3G spielen bei den neuen Corona-Maßnahmen nämlich offenbar keine Rolle mehr. Ausnahmen soll es nur noch für Getestete oder frisch Geimpfte geben, deren letzte Impfung höchstens drei Monate zurückliegt. Das könnte im Herbst zum Problem werden.

  • Was ist mit den Menschen, die im Herbst schon eine vierte Impfung haben? Diese Personen können keine 5. Impfung bekommen, um sich von der Masken- und Testpflicht zu befreien, denn es gibt noch keine Empfehlung für die 5. Impfung.
  • Ebenso problematisch: Viele wollen sich zum vierten Mal impfen lassen, wenn der angepasste Impfstoff da ist. Dessen Zulassung wird aber erst am 9.9. erwartet. Von diesem Zeitpunkt an sind es dann nur noch etwa drei Wochen, bis die neue Verordnung in Kraft tritt. Es könnte zu einem Run auf die Impfung kommen.

Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) gibt es derzeit übrigens gar keine Empfehlung für eine vierte Impfung. Die STIKO geht bislang davon aus, dass eine 3-malige Impfung oder eine Kombination von natürlicher Infektion und Impfung einen soliden Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion und einer schweren COVID-19-Erkrankung bietet. Es bleibt also ein Rätsel, warum in der aktuellen Corona-Schutzverordnung eine 3-Monats-Regel für Impfungen neu aufgenommen wurde.

Ausnahmen nur noch für frisch Geimpfte Corona-Maßnahmen für den Herbst
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Corona-Maßnahmen für den Herbst
Ausnahmen nur noch für frisch Geimpfte

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Deutschland im Corona-Herbst

Die wichtigsten Punkte im Überblick finden Sie hier: Regierung legt Corona-Vorsorgeplan für den Herbst vor

Doch jetzt wird klar: Es wird Ausnahmen geben.

Zum Beispiel bei der Testpflicht:

  • Der Postbote, der im Krankenhaus nur etwas abgibt oder der Vater, der sein verletztes Kind in die Notaufnahme bringt. Sie müssen offenbar keinen Corona-Test nachweisen.

Außerdem wird die Corona-Warn-App überarbeitet:

  • Der Status – geimpft, genesen, getestet – soll mit einem Blick nach Farben erkennbar sein.

Zum Status „frisch geimpft“:

  • Laut Gesundheitsminister Lauterbach darf die letzte Impfung nicht älter als drei Monate sein. Das bezieht sich mindestens auf eine bestehende dritte Impfung.

Die bundesweiten Regelungen – Maskenpflicht im Fernverkehr und bei Flügen, Masken- und Testpflicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – treten am 1.10. in Kraft, unabhängig von der aktuellen Pandemielage. Allerdings gehen Experten davon aus, dass es im Herbst sehr hohe Fallzahlen geben wird. Justizminister Buschmann ergänzte: Selbst konservative Experten gingen davon aus, dass die Lage sehr unangenehm werde. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass es doch eine entspannte Lage zwischen 1.10. und 7.4. gibt, könne man politisch intervenieren. Dies sei aber äußert unwahrscheinlich.

Lese-Tipp: Corona-Regeln für den Herbst - Zu viel oder zu wenig? Das sagt der Medizin-Experte

Zu den bundesweiten Maßnahmen, die am 1.10. in Kraft treten, gehört auch eine neue Corona-Arbeitsschutzverordnung, die das Arbeitsministerium erarbeiten muss. Man hat sich schon darauf verständigt, dass es in Betrieben Ausnahmen von der Maskenpflicht geben wird, etwa durch eine frische Impfung, den Genesenen-Status oder einen tagesaktuellen Test.

Die Länder können entscheiden, ob sie weitere Maßnahmen, etwa die Maskenpflicht im ÖPNV, die medizinischen Masken an Schulen ab Klasse 5, Tests in Schulen und Kitas, die Maskenpflicht in Innenräumen oder Maske oder Test in Restaurants verhängen.

Diesmal soll es aber nicht so sein, dass die Betreiber von Restaurants und Kulturveranstaltungen verpflichtet sind, den Status ihrer Besucher zu überprüfen. Das wurde auf die individuelle Ebene verlagert: d.h. jeder muss selbst entscheiden, ob er oder sie sich daran hält. Die Kommunen können Kontrollen durch die Ordnungsämter anordnen, bei einem Verstoß soll der Einzelne belangt werden.