11. April 2019 - 9:55 Uhr

Merkel betont deutsche Interessen: „Da kommt es auf den Tag nicht an“

Sie haben beim EU-Krisengipfel in Brüssel bis in den frühen Morgen gestritten und gefeilscht, mit folgendem Ergebnis: Europas Staats- und Regierungschefs haben den harten Brexit - der am Freitag gedroht hätte - vorerst vom Tisch bekommen. Die Briten haben nun bis zum 31. Oktober Zeit, um geordnet aus der EU auszutreten. Um dieses Datum wurde hart gerungen: Kanzlerin Merkel und andere wollten eine noch längere Frist, konnten sich aber nicht gegen Frankreichs Präsident Macron durchsetzen.

May glaubt noch immer an schnellere Lösung

British Prime Minister Theresa May leaves after an extraordinary European Union leaders summit to discuss Brexit, in Brussels, Belgium April 11, 2019.  REUTERS/Eva Plevier       TPX IMAGES OF THE DAY
Theresa May fährt nicht mit leeren Händen nach Hause, die EU gewährt den Briten einen neuerlichen Brexit-Aufschub.
© REUTERS, EVA PLEVIER, awi

Merkel sagte, es sei "ein sehr intensiver, sehr guter Abend" gewesen, der die Einigkeit der EU gezeigt habe. Sie sprach von einer "guten Entscheidung, die wir heute getroffen haben." Die Kanzlerin betonte, dass es für Deutschland dabei nicht in erster Linie um britische Forderungen, sondern um die eigenen Interessen gehe. Das vereinbarte Austrittsabkommen müsse eingehalten werden. "Da kommt es auf den Tag aus unserer Sicht auch nicht an."

Die britische Premierministerin May hält weiterhin einen EU-Austritt ihres Landes vor der Europawahl nach wie vor für möglich. Wenn es gelinge, das Austrittsabkommen bis zum 22. Mai zu ratifizieren, müsse sich Großbritannien nicht an der Europawahl beteiligen, sagte sie. Die Wahl findet in Europa vom 23. bis zum 26. Mai statt.

May will sich weiter dafür einsetzen, eine Mehrheit für den Brexit-Vertrag in London zu organisieren. Sie wolle erneut im Unterhaus sprechen und auch die Beratungen mit der oppositionellen Labour-Partei fortsetzen. Das britische Parlament hat den von May mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrag bereits drei Mal abgelehnt.