Neue Vorwürfe: Türkei verweigert gut ausgebildeten Syrern die Ausreise

24. Mai 2016 - 12:21 Uhr

"Schwere medizinische Fälle oder Flüchtlinge mit sehr niedriger Bildung"

Der Flüchtlingspakt der EU mit der Regierung in Ankara - den Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) maßgeblich vorangetrieben hat - sieht vor, dass Flüchtlinge, die aus der Türkei auf griechische Inseln übersetzen, zurückgeschickt werden. Für jeden syrischen Flüchtling soll ein anderer Syrer legal und direkt aus der Türkei in die Europäische Union einreisen. Laut 'Spiegel' verweigert Ankara gut ausgebildeten Flüchtlingen aus Syrien aber die Ausreise. Stattdessen schicke die Türkei viele "schwere medizinische Fälle oder Flüchtlinge mit sehr niedriger Bildung". Beim Brüsseler Treffen der EU-Innenminister hatte bereits der luxemburgische Minister Jean Asselborn berichtet, dass die Türkei Akademikern Ausreisegenehmigungen verweigere, wie ein EU-Diplomat sagte.

Neue Vorwürfe: Türkei verweigert gut ausgebildeten Syrern die Ausreise
Syrische Flüchtlinge steigen am türkischen Grenzübergang in einen Bus.
© dpa, Mirjam Schmitt

Vor der Türkei-Reise der Kanzlerin hat 'Pro Asyl' dem Land schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen und eine sofortige Aussetzung des EU-Flüchtlingspaktes gefordert. "Die Kanzlerin hat die Menschenrechte von Flüchtlingen geopfert für diesen Deal", sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt. "Die Erfahrungen der vergangenen Wochen übertreffen unsere schlimmsten Befürchtungen." In der Türkei, aber auch in Griechenland würden Flüchtlinge systematisch entrechtet. Merkel will an diesem Sonntag zu einem Kurzbesuch in die Türkei reisen, um an einem UN-Nothilfegipfel in Istanbul teilzunehmen. Am Montag ist zudem ein Treffen mit Präsident Recep Tayyip Erdogan geplant.