Jedes zehnte Kalb stirbt noch vor dem vierten Lebensmonat

Neue Studie zeigt: Viele deutsche Kühe sind krank

Blick auf das Euter einer Milchkuh. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild
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01. Dezember 2020 - 17:37 Uhr

Studie zeigt: Milchkühen geht es oftmals schlecht

Wie geht es unseren Kühen und Kälbern in Deutschland? Was viele Tierschützer schon lange vermutet haben, bestätigen jetzt Forscher aus Hannover, München und Berlin: Viele Tiere sind krank.

Zu magere oder lahmende Tiere

Beinahe jedes zehnte Kalb verstirbt noch vor dem vierten Lebensmonat. Zu diesem traurigen Ergebnis sind Forscher der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Freien Universität Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität München im Rahmen einer neuen Studie gekommen. Neben der hohen Kälbersterblichkeit fällt den Wissenschaftlern auf, dass vor allem männliche Kälber häufiger krank und schlechter versorgt sind als weibliche Tiere. Außerdem sei je nach Region ein Fünftel bis mehr als ein Drittel der Milchkühe pro Betrieb zu mager. Hinzukommend seien viele Tiere lahm - im Norden sind es 22,8 Prozent der Tiere, im Osten 39,4 Prozent und in Bayern 22,7 Prozent.

Große Unterschiede zwischen den Betrieben

Etwa drei Jahre lang besuchten die Forscher regelmäßig 765 Milchkuhbetriebe in Schleswig-Holstein und Niedersachsen (Region Nord), Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Sachsen-Anhalt (Region Ost) und in Bayern (Region Süd). Dabei wurden insgesamt über 186.000 Tiere untersucht und ihre Halter interviewt. Die Wissenschaftler stellten große Unterschiede zwischen den untersuchten Betrieben fest. Das liege einerseits an regionalen Besonderheiten und der Betriebsgröße, andererseits aber auch an der Art der Betriebsführung. So seien viele Betriebe sehr gewissenhaft hinsichtlich der Tiergesundheit geführt, allerdings treten in einigen Betrieben vermehrt Lahmheit, Kälberkrankheiten oder Stoffwechselerkrankungen auf.

Warum erkranken viele der Tiere?

Mehr als 90 Prozent der Lahmheitsfälle seien auf Klauenerkrankungen zurückzuführen. Ursachen dafür seien vor allem eine zu lang andauernde Druckbelastung wegen zu langer Stehzeiten oder unzureichender Klauenpflege. Infektiös bedingte Erkrankungen ließen sich hingegen meist auf Hygienemängeln zurückführen. Lahmheit löse Schmerz und Stress der Tiere aus und bedeute wirtschaftliche Einbußen wegen der Behandlungskosten und geringerer Milchleistung.


Quelle: DPA / RTL.de