Neue Studie zeigt: Darum arbeiten die Deutschen sich krank

Eine neue Bertelsmann-Studie belegt: Viele Deutsche arbeiten sich krank.
Eine neue Bertelsmann-Studie belegt: Viele Deutsche arbeiten sich krank.
© dpa, SZ

18. März 2015 - 11:35 Uhr

Kein Entkommen aus dem Teufelskreis

Zu viel Stress und permanenter Druck am Arbeitsplatz sorgen dafür, dass viele Beschäftigten in Deutschland zunehmend fahrlässig mit ihrer Gesundheit umgehen. Das geht aus einer neuen repräsentativen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach legt rund ein Viertel der Vollzeit-Beschäftigten ein deutlich zu hohes Arbeitstempo vor, das langfristig gar nicht durchzuhalten sei. Dadurch stoßen 18 Prozent der Befragten regelmäßig an ihre Leistungsgrenzen.

Darüber hinaus macht ein Viertel der befragten Arbeitnehmer keine Pause, jeder Achte kommt sogar krank zur Arbeit. Damit wachse bei vielen die Gefahr, die eigene Gesundheit zu gefährden, so das Ergebnis der Studie. Einer der Hauptgründe für die Überbelastung sei, dass das Arbeitsumfeld durch die Erwartung an steigende Leistungsziele geprägt werde. Mittlerweile weiß jeder Dritte nicht mehr, wie er den Ansprüchen noch gerecht werden soll. Werden zu hohe Ziele dennoch erreicht, gelten diese sofort als neuer Maßstab. So glaubt inzwischen jeder zweite Arbeitnehmer, dass es aus diesem Teufelskreis kein Entkommen mehr gebe.

Reaktion des Arbeitgebers ist gefragt

Auch der geringe Einfluss auf das eigene Arbeitspensum setzt den Arbeitnehmern in Deutschland zu. In dem Zusammenhang gaben beispielsweise 51 Prozent der Befragten an, keinen oder kaum Einfluss auf ihre Arbeitsmenge zu haben. Über 40 Prozent sagen das auch über ihre Arbeitsziele. Für Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Unternehmen eingreifen müssen: "Das Management kann die Leistungskultur maßgeblich beeinflussen und durch realistische Arbeitsziele ein gesünderes Arbeitsumfeld schaffen."

Um das selbstgefährdende Verhalten der Beschäftigten zu reduzieren, schlagen die Autoren der Studie vor, regelmäßig verbindliche und realistische Zielvereinbarungsgespräche mit dem Arbeitgeber zu führen. Die vereinbarten Ziele müssten innerhalb der vertraglichen Arbeitszeit erreichbar sein, so Anja Chevalier von der Sporthochschule Köln. Besonders wichtig sei dabei, dass Arbeitnehmer ein Gefühl für die eigenen Grenzen entwickeln, damit sie ihr Leistungspotential auch langfristig optimal ausschöpfen können, so Gert Kaluza vom GMK-Institut für Gesundheitspsychologie in Marburg.

Erst in der vergangenen Woche war eine Studie des Beratungsunternehmens Gallup veröffentlicht worden, nach welcher 70 Prozent der befragten Arbeitnehmer nur noch Dienst nach Vorschrift machen – insbesondere aus Unzufriedenheit mit dem Vorgesetzten. Demnach würden 12 Prozent der deutschen Arbeitnehmer ihren Chef am liebsten rausschmeißen, wenn sie denn könnten. Zudem bezeichneten 42 Prozent der Befragten ihren Vorgesetzten als nicht führungsstark. Es scheint also, als müssten Deutschlands Arbeitgeber dringend das Gespräch mit ihren Beschäftigten suchen.