Neue Studie aus Florida

Plastikreste, Pestizide und Schwermetalle: Stranden immer mehr Wale und Delfine wegen Umweltgift?

Wale an Australiens Westküste gestrandet
© dpa, -, MB nwi

24. August 2020 - 18:38 Uhr

Weltmeere stärker vergiftet als gedacht

Weichmacher oder Pflanzenschutzmittel belasten den Ozean mehr als bislang angenommen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Ozeanografischen Instituts der Florida Atlantic University. Die Forscher fanden Dutzende giftige Stoffe in 83 Walen und Delfinen, die zwischen 2012 und 2018 an der Südostküste der USA gestrandet sind. "Wir waren sehr überrascht darüber, wie stark die Belastungen auch bei Arten sind, die ihr ganzes Leben sehr weit draußen auf dem Meer in tiefen Gewässern verbringen", sagt Studienleiterin Annie Page-Karjian.

Weichmacher, Desinfektionsmittel, Kosmetika - Wale und Delfine voller Giftstoffe

Im Fettgewebe und der Leber der Wale und Delfine konnten die Forscher eine hohe Konzentration an Schwermetallen wie Quecksilber oder Blei nachweisen. Außerdem fanden sie Pflanzenschutzmittel und Stoffe, die in Kosmetika, Desinfektionsmitteln und Weichmachern verwendet werden. "Wale sind durch Anreicherung der Giftstoffe so stark mit Umweltgiften belastet, dass sie beispielsweise für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet wären", so Annie Page-Karjian. Bei bestimmten Substanzen bedrohe das Belastungsniveau bereits jetzt die Populationen einiger Arten.  

Giftstoffe als Auslöser - stranden Wale und Delfine durch Verhaltensänderung?

Nach Ansicht von Forschern stranden Wale und Delfine unter anderem, weil sie die Orientierung verloren haben. Wie es dazu kommt, ist noch nicht vollständig erforscht. Von Blei und Quecksilber sei aber beispielsweise bekannt, dass sie das Nervensystem von Organismen angreifen, sagt Page-Karajan. Sie konnte mit ihrem Forschungsteam aber bei keinem der gestrandeten Tiere belegen, dass der Auslöser dafür die giftigen Substanzen waren. "Die chronisch hohe Belastung mit diesen Stoffen kann aber gravierende Folgen unterhalb der sofortigen Tötungsschwelle haben und Organfunktionen ebenso wie das Verhalten beeinflussen und auf diese Weise zum Stranden beitragen", so Page-Karajan.

Keine Plastiktüten, keine Plastikflaschen: Wie jeder Mensch Delfine und Wale schützen kann

Zwischen vier und 13 Millionen Tonnen Verpackungsmüll aus Plastik gelangen jährlich ins Meer. Page-Karajan sagt, jeder könne seinen Teil dazu beitragen, die Menge der Giftstoffe zu reduzieren, indem er auf Einwegkunststoffe wie Plastiktüten und -flaschen verzichte. "Diese Chemikalien arbeiten sich durch die Nahrungskette nach oben – vom kleinen Fisch zum großen Fisch und von dort zum Wal – und werden mit jeder Stufe konzentrierter."

Wie Sie Plastikmüll im Alltag vermeiden können, erklären wir Ihnen hier.