Neue Studie zum Stress-Mythos

Stress lässt uns schneller altern? Von wegen!

Stress auf der Arbeit - doch nicht so schlimm?
© Getty Images/iStockphoto, millann

08. Juli 2020 - 16:43 Uhr

Wie viel Stress ist denn nun gut?

Die Frage, warum genau Menschen altern, beschäftigt Forscher seit Jahrzehnten. Kosmetika, Behandlungen und Tipps gegen das Altern lassen den Umsatz diverser Branchen in die Höhe schnellen und ein Gegner, gegen den sie alle gemeinsam Kämpfen ist: Stress. Doch jetzt wollen Forscher der Universität des Saarlandes herausgefunden haben, dass es genau umgekehrt ist: Wenig Stress lässt uns scheinbar mehr altern als viel Stress.

Zu wenig Cortisol löst Entzündungen aus

Im Fokus der neu veröffentlichten Studie steht das Stresshormon Cortisol. "Wenn der Mensch altert, altert nämlich auch seine körpereigene Abwehr", erklären die Forscher in ihrer Studie. Gemeint ist das schwächer werdende Immunsystem, wodurch sich chronische Entzündungen im Körper bilden.

In der neuen Studie wollen die Forscher herausgefunden haben, dass der mit dem Alter sinkende Cortisol-Spiegel im Körper für die zunehmende Zahl an Entzündungen verantwortlich ist. Bisher galt Cortisol als Stresshormon, dass man demnach doch eigentlich vermeiden sollte, oder?

Durch den sinkenden Cortisol-Wert wird eine Reihe von Reaktionen im Körper ausgelöst. An deren Ende steht ein Protein, das ebenfalls entzündungsvorbeugend ist und dadurch nicht mehr in ausreichender Menge produziert wird. Die chronischen Entzündungen verstärken wiederum den körperlichen Alterungsprozess.

Auch die richtige Ernährung kann die Entzündungswerte im Körper positiv beeinflussen. Beispiele für Lebensmittel, die das Immunsystem stärken, finden Sie hier.

Stress ist nicht nur schlecht

Doch gibt es auch positiven Stress? Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol werden auch bei Geburtstagen, Hochzeiten oder beruflichen und privaten Erfolgen ausgeschüttet, erklärt Matthias Weniger, ärztlicher Psychotherapeut und Vorstand des Instituts für Stressmedizin Rhein-Ruhr gegenüber der DPA. Allerdings sei die Stressreaktion hier nur von kurzer Dauer. "Danach werden Serotonin und Endorphine ausgeschüttet, die zu Glücksgefühlen, emotionaler Balance, rationalem Denken und guten Entscheidungen führen."