Neue Studie der Universität Marburg

Corona: Dünne Masken schützen zu wenig

Experten zweifeln die Schutzwirkung von dünnen Stoffmasken gegen Corona an
Experten zweifeln die Schutzwirkung von dünnen Stoffmasken gegen Corona an
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20. August 2020 - 18:58 Uhr

Dünne Stoffe filtern zu wenig Aerosole heraus

Einwegmasken, Stoffmasken – gekauft oder selbstgenäht – Schals und Tücher. An eine Mund-Nasen-Bedeckung haben sich mittlerweile fast alle gewöhnt. Aber welche schützt uns denn nun am besten? Eine neue Studie aus Marburg zeigt, dass vor allem dünne Stoffe zu wenige Aerosole, die Coronaviren transportieren können, herausfiltern. Daher sollte die Wahl der Maske gut durchdacht sein.

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Einlagige Masken schützen nur gering

Dominic Dellweg, Chefarzt für Pneumologie am Fachkrankenhaus, hat in einer Studie die Schutzqualität von 16 industriell produzierten sogenannten Community-Masken getestet. Das Ergebnis: Durch manche kommen deutlich mehr Aerosole als gedacht, und die Filterleistung variiert stark. Generell gelte, so Dellweg: Je höher die Filterleistung, desto höher sei auch der potenzielle Schutz vor SARS-CoV-2. Im Test zeigt sich: Eine einlagige Schutzmaske hat eine Filterleistung von 35 Prozent, eine dreilagige Maske liegt schon bei einer Leistung von 89 Prozent.

"Natürlich ist klar: Je dicker der Stoff ist, umso besser kann die Aerosol-Verbreitung reduziert werden. 100 Prozent werden wir nicht schaffen. Optimalerweise sollte man sich einen Stoff aussuchen, der einem das Atmen ein bisschen schwerer macht, aber so, dass es nicht unangenehm ist," sagt Virologe Dr. Martin Stürmer.

Medizinische OP-Masken schützen am Besten

Auch wenn einzelne Alltagsmasken eine hohe Filterleistung aufweisen, an die Qualität von medizinischen OP-Masken oder besonders schützenden FFP-Masken kämen die getesteten Masken nicht heran, so Studienleiter Dellweg.

Heißt das, dass wir jetzt also nur noch mit professionellen Masken aus dem Haus gehen sollten? "Eine einfache OP-Maske ist natürlich schlechter als eine FFP1-Maske, und die ist schlechter als eine FFP2-Maske. Es hängt davon ab, was ich als Funktion erreichen will. Alle mit einer FFP2-Maske auszustatten, ist einfach aus logistischen und finanziellen Gründen nicht möglich und das müssen wir auch nicht. Es ist was anderes, ob ich als Mediziner den ganzen Tag mit Patienten in Kontakt stehe oder eine Person, die sich normal im öffentlichen Leben aufhält.", so Dr. Stürmer.

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Experte: Zweifel an selbstgenähten Masken

Lungenmediziner Dellweg sieht ein Problem darin, dass es bislang keine einheitlichen Qualitätsstandards für Alltagsmasken gibt. Aus diesem Grund komme es auch zu den in der Studie beobachteten starken Qualitätsunterschieden.

Aber was ist denn nun mit den selbstgenähten Alltagsmasken aus alten Stoffen? Können wir die weiterhin noch tragen? Virologe Dr. Stürmer ist skeptisch. "Das Selbernähen war am Anfang eine gute Idee, ob das jetzt immernoch im Kontext der Aerosole die richtige Variante ist, wage ich zu bezweifeln. Wahrscheinlich müssen wir da doch jetzt hochwertigere Produkte kaufen oder herstellen." Dr. Stürmer empfiehlt beim Selbermachen auf hochwertige Qualität zu achten und nicht jeden dünnen Stoff zu verwenden. Außerdem müsse die Maske gut sitzen und die Größe der Poren sei entscheidend: Je kleiner die Pore, desto besser der Schutz.

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