Aber nicht wie Sie denken

Neue Studie: Affen und Männer werden sich im Alter ähnlich

Da hat der Schimpanse Gut-Lachen: Im Alter wird er dem Mann ähnlich
© dpa, A3512 Roland Weihrauch

23. Oktober 2020 - 13:01 Uhr

Affen, Männer und die Freundschaft

Im Alter werden sich Männer und Schimpansen ähnlich. Das hat ein US-Forscherteam herausgefunden. Aber jetzt nicht wie Sie denken: Mit dem Haarwuchs oder der Körperhaltung hat das nichts zu tun. Es geht ums Thema Freundschaft!

Lieber enge Freunde statt einer Menge Freunde

Mit zunehmendem Alter ändert sich die Art, wie Männer Freundschaften pflegen. Sie legen Wert auf wenige, enge Freunde statt sich mit vielen Kumpels gleichzeitig zu treffen. Und so soll es auch bei Schimpansen sein, berichtet ein US-Forscherteam nach einer Langzeitstudie im Fachblatt "Science".

Demnach verändern männliche Schimpansen im Laufe ihres Lebens ebenso die Zahl und Struktur ihrer Freundschaften. Sie konzentrieren sich mit fortgeschrittenem Alter – wie Männer – auf enge Freunde.

Das Team um Alexandra Rosati von der University of Michigan befasste sich bei der Studie ausschließlich mit männlichen Tieren, weil die ein ausgeprägteres Sozialleben haben als Weibchen. Weibchen wechseln meist ihre Gruppe, sobald sie geschlechtsreif sind.

So wurde geforscht

Seit 1995 dokumentieren US-Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen das Verhalten einer Gruppe Schimpansen in einem Nationalpark in Uganda. Das Team analysierte die sozialen Beziehungen von 21 Schimpansen-Männchen zwischen 15 und 58 Jahren. Ein Augenmerk lag darauf, wie häufig sich die Affen nah kamen, wie oft sie nebeneinander saßen und sich gegenseitig das Fell pflegten. Beispielsweise die Zahl der Affen, die sich gegenseitig das Fell entlausten, stieg im Alter an. Die Zahl der einseitigen Freundschaften sank.

Dass Männer und Affen sich im Alter in Sachen Freundschaft verblüffend ähnlich werden, kann das Forscherteam also belegen. Die Gründe scheinen aber unterschiedlich zu sein. Das zumindest glaubt der Anthropologe Richard Wrangham.

Forschung noch nicht am Ende

Während beim Menschen davon auszugehen ist, dass die Veränderung zu mehr engeren, intensiveren sozialen Kontakte damit zu begründen ist, dass sich der Mensch dem endlichen Leben bewusst ist, glaubt Richard Wrangham bei Schimpansen nicht daran. Demnach seien Schimpansen zwar klug, sie würden aber nicht wissen, dass sie sterben werden.

"Es ist viel wahrscheinlicher, dass bei Schimpansen etwas anderes erklärt, warum ihre Beziehungen im Alter positiver werden. Und dann stellt sich die Frage, ob das auch für Menschen gilt", wird der Anthropologe in einer Mitteilung der Harvard University zitiert. Die Forschung ist also noch lange nicht am Ende.