Schockierende Zahlen

In Deutschland werden täglich 40 Kinder sexuell missbraucht

© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo vfd ent jhe nie lus sd sja

6. Juni 2019 - 18:43 Uhr

Missbrauchszahlen sind gestiegen

Es sind schockierende Zahlen: 2018 wurden in Deutschland im Schnitt jeden Tag 40 Kinder sexuell missbraucht. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 14.606 Kinder Opfer sexueller Gewalt – rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr, sagte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik zu Kindern als Gewaltopfer.

Zwar sanken die Zahlen beim allgemeinen Missbrauch leicht, trotzdem gab es 2018 immer noch 4.180 Opfer. 136 Kinder kamen letztes Jahr gewaltsam zu Tode, knapp 80 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre.

„Die Eskalationsschwelle sinkt“

BKA-Chef Münch sagte am Donnerstag: "Solche Straftaten werden auch in der Mitte der Gesellschaft begangen." Häufig würden die Taten im familiären Umfeld der Opfer stattfinden, die Täter seien überwiegend männliche Erwachsene. Zwar gebe es eine hohe Aufklärungsquote (wenn es zur Anzeige kommt), da sich schnell ermitteln ließe, wer die Tat begangen hat. Auf der anderen Seite sei auch die Dunkelziffer hoch, da der Kontakt zwischen Täter und Opfer die Anzeigebereitschaft verringert, so Münch.

Deutliche Kritik in Richtung Politik gab es von Professorin Kathinka Beckmann, deren Schwerpunkt an der Hochschule Koblenz das Thema "Kinderschutz & Diagnostik" ist. "Seit Jahren sprechen sich die politischen Akteure für einen besseren Kinderschutz aus und seit mindestens ebenso vielen Jahren warten die Kinder, ihre Familien (…), dass diesen Worten endlich Taten folgen", so Beckmann.

Rainer Becker, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, warnte: "Die Zeitabstände bei der Gewalt gegen Kinder werden kürzer, die Eskalationsschwelle sinkt und die Kinder werden regelmäßig über einen längeren Zeitraum der Gewalt ausgesetzt."

Die Fälle einer 15- und einer 13-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern sind besonders erschreckend. Die Mädchen wandten sich an die Polizei, weil sie Opfer sexueller Übergriffe wurden. Dann wurden sie aber auch noch von den Polizeibeamten bedrängt, wie wir im Video berichten.

Internet spielt immer größere Rolle

Ebenfalls ein besorgniserregender Trend: Die Entwicklungen im Netz. "Das Internet spielt eine immer größer werdende Rolle, auch beim sexuellen Missbrauch. Wir sehen eine zunehmende Tendenz beim sogenannten Cyber-Grooming", so BKA-Chef Münch. Man spricht von "Cyber-Grooming", wenn Erwachsene gezielt Kinder im Internet ansprechen, um sie dann sexuell zu missbrauchen.

Die Zahl der aufgedeckten Fälle zu Herstellung, Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie stieg im vergangenen Jahr um mehr als 14 Prozent auf 7.449 Fälle. Das hat laut Bundeskriminalamtes (BKA) mit der höheren Zahl von Hinweisen - vor allem aus den USA - zu tun und mit neuen technischen Möglichkeiten. Anfang Mai sei beispielsweise eine Bilderserie aus den USA an die deutschen Behörden geschickt worden. Dank "technischer Ermittlungen" habe dann der Ort, an dem das Material hergestellt wurde, schnell identifiziert werden können. Vier Tage später habe die Polizei den Täter geschnappt.