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Neue Regeln: Jetzt dürfen auch Schwule Blut spenden

Ein Jahr kein Sex – dann dürfen auch Schwule Blut spenden

ARCHIV - Eine Helferin hält am 31.07.2017 vor dem Erlebnispark Tripsdrill in Cleebronn (Baden-Württemberg) einen Vollblutbeutel in der Hand.    (zu dpa «Rotes Kreuz sieht derzeit keinen Mangel an Blutspenden» vom 02.08.2017) Foto: Marijan Murat/dpa +
Auch Schwule dürfen jetzt Blut spenden - wenn sie keinen Sex mehr haben.
mut nic rho, dpa, Marijan Murat

Diese neuen Regeln gelten für die Blutspende

Bisher durften Schwule kein Blut spenden. Jetzt wurden die Regeln der Bundesärztekammer überarbeitet. Unter Experten sind die Vorgaben weiter umstritten.

Bundesärztekammer überarbeitet Vorgaben

Wer als Mann Sex mit anderen Männern hat, ist statistisch häufiger mit HIV infiziert. Deshalb war es schwulen und bisexuellen Männern bisher komplett untersagt, Blut zu spenden. Doch nun hat die Bundesärztekammer die Regeln dazu überarbeitet: wer ein Jahr oder länger kein Sex hatte, darf nun doch Blut spenden.

Neue 12-Monats-Regel

Das ist ein zentraler Bestandteil der neuen Vorgaben, die die Bundesärztekammer gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als zuständiger Bundesbehörde veröffentlicht hat. Man habe sich damit dem Stand der Wissenschaft und Technik angepasst, heißt es.

Unstrittig sei, dass risikobehaftetes Sexualverhalten von Blutspendern - unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung - Auswirkungen auf die Sicherheit der Blutspende haben könne. Die Frist von einem Jahr sei nötig, da Menschen beispielsweise mit HIV infiziert seien könnten, der Erreger aber erst nach einigen Wochen im Blut nachweisbar sei.

Die 12-Monats-Regel gilt daher auch nicht nur für Schwule und bisexuelle Männer, sondern für alle, die ein "deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko" haben, also zum Beispiel auf Menschen mit häufig wechselnden Sex-Partnern oder Sexarbeiter.

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Deutliche Kritik von der Aids-Hilfe

Der Deutschen Aids-Hilfe geht die Lockerung der Regeln nicht weit genug. "Eine HIV-Infektion kann man heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen. Diese Frist wäre nachvollziehbar. Eine Frist von einem Jahr schließt die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus", sagt Björn Beck vom Vorstand der Aids-Hilfe.

So seien England und Schottland bereits weiter: Dort gelte ab 2018 eine Frist von nur noch drei Monaten. In anderen europäischen Ländern gilt oft die 12-Monats-Regel – allerdings zum Teil schon seit Jahren.