Gibt es bald Änderung bei den Notfallnummern?

Wie Gesundheitsminister Spahn die Notaufnahmen entlasten will

22. Juli 2019 - 14:35 Uhr

Spahn will Notaufnahmen mit neuer Reform entlasten

In Deutschland können Patienten bislang selbst entscheiden, ob sie mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gebracht werden. Viele Menschen dort könnten sich jedoch auch ins Wartezimmer ihres Hausarztes setzen und von ihm behandelt werden, wie unser Video zeigt. Die Folge: Überlastetes Personal und unnötig lange Wartezeiten bei tatsächlichen Notfällen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will mit einer Reform Abhilfe schaffen, die laut Zeitungen der "Funke-Mediengruppe" Gestalt annimmt.

Wie wird konkret darüber entschieden, ob medizinische Notfälle besser in Notfallpraxen oder Notaufnahmen aufgehoben sind?

Entscheidet bald nicht mehr der Patient, ob er ein Notfall ist?

Spahns Plan setzt dem Bericht zufolge an zwei Punkten an: Er soll das Notruf-System neu organisieren und in Krankenhäusern spezielle Notfallzentren einrichten.

Bislang ist in Deutschland der Rettungsdienst mit der Nummer 112 ausschließlich für Notfälle zuständig. Sonst hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117. Um zu vermeiden, dass etwa Menschen mit eingerissenem Fingernagel mit dem Krankenwagen in der Notaufnahme landen, will Spahn beide Nummern zusammenlegen. Dort sollen Patienten demnach eine erste Einschätzung bekommen, ob ihnen in einer Klinik oder bei einem ambulanten Arzt am besten geholfen werden kann. Der Gesetzentwurf spreche von der "zentralen Lotsenfunktion" der Notfallleitstellen, hieß es. So entscheidet nicht der Patient allein, ob er ein Notfall ist.

Notfallzentren in Krankenhäusern

Wenn Patienten in Krankenhäuser gingen, solle es bundesweit "Integrierte Notfallzentren" (INZ) geben, die von den Kliniken und den Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam betrieben würden. Patienten sollten dort entweder sofort in die Notaufnahme geschickt oder ambulant weiterbehandelt werden. Die Notfallzentren sollten dem Gesetzentwurf zufolge "jederzeit zugänglich" und "räumlich derart in ein Krankenhaus eingebunden" sein, dass sie von den Patienten "als erste Anlaufstelle im Notfall wahrgenommen werden", heißt es.

Möglicherweise muss das Grundgesetz geändert werden

Es handele sich um eine "Reform, die an der Wurzel ansetzt", sagte Spahn. Sie erfordere möglicherweise sogar eine Änderung des Grundgesetzes. Ob und wie das geschehen soll, wolle er mit den Ländern besprechen. Mitte August soll es dazu ein erstes Gespräch im Gesundheitsministerium geben, berichtet "Abendblatt".