Corona in Großbritannien

Neue Quarantäneregelungen in Großbritannien: Einreisenden könnten Strafen drohen

Scenes Of The London Underground This Morning
© W8 Media / SplashNews.com

22. Mai 2020 - 12:28 Uhr

Von Caroline Schiemann

Seit Beginn des Lockdowns, der im Vereinigten Königreich seit dem 23. März besteht, mittlerweile aber zu Teilen leicht gelockert wurde, hält die britische Regierung täglich ein Pressebriefing ab. Der heutige Termin wird mit Spannung erwartet, vor allem für Reisefreudige, die Pläne schmieden wollen. Denn es geht um die neuen Quarantäne-Regeln im Land.

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Vierzehntägige Quarantäne für Einreisende

Um das Land vor einer zweiten Corona-Infektionswelle zu schützen, sollen alle Einreisenden, die per Flugzeug, Fähre oder Zug im Vereinigten Königreich ankommen, ein Kontaktformular ausfüllen und eine Adresse hinterlegen müssen, an der sie sich für zwei Wochen in Selbst-Isolation begeben.

Ausgeschlossen von dieser Regelung:

  • Transportunternehmen
  • medizinische Fachkräfte
  • aus Irland Einreisende

Auch für Briten, die in ihr Land zurückkehren, sollen die Quarantäneregeln gelten.

Wer sich der Regelung widersetzt und bei spontanen Besuchen von Mitarbeitern von Gesundheitsbehörden nicht zu Hause anzutreffen ist, dem könnte ein Bußgeld in Höhe von 1.000 Pfund (etwa 1.100 Euro) drohen.

Regelung führt zu Frust bei Fluggesellschaften

ARCHIV - 01.02.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Eine Ryanair-Maschine spiegelt sich auf dem Flughafen Frankfurt (FRA) auf dem regennassen Rollfeld. Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair stellt am 18.05.2020 ihre Zahlen für das vergangene Geschäftsj
."Idiotisch" und "nicht durchführbar" – Mit diesen Worten beschrieb Ryanair-Geschäftsführer Michael O’Leary die Quarantäneregelungen Anfang dieser Woche.
© dpa, Andreas Arnold, arn vco wst gfh kno

Bei den sowieso schon durch die Coronakrise gebeutelten Fluggesellschaften stoßen die Quarantäneregelungen auf Unverständnis und Frust. "Idiotisch" und "nicht durchführbar" – Mit diesen Worten beschrieb Ryanair-Geschäftsführer Michael O'Leary die Quarantäneregelungen Anfang dieser Woche bei "bbc radio".

Die Regierung habe die Krise viele Wochen lang schlecht gemanagt. Durch die Vorgabe, dass sich alle Einreisenden für vierzehn Tage in Quarantäne begeben müssten, würden die Pläne seiner Fluggesellschaft torpediert, die beabsichtige, ab Juli wieder 40 Prozent der Flüge aufzunehmen.

Auch "Airlines UK", ein Zusammenschluss der in Großbritannien registrierten Fluggesellschaften, steht hinter O'Learys Auffassung: Vorgeschriebene Quarantäneregelungen würden das internationale Reisen in und aus Großbritannien zunichte machen. Eine bereits bestehende kritische Situation könnte so sogar noch verschlimmert werden.

Anscheinend keine Ausnahmegegelungen

Britain's Secretary of State for Transport Grant Shapps speaks at the daily digital news conference on the coronavirus disease (COVID-19) outbreak, at 10 Downing Street in London, Britain May 14, 2020. Andrew Parsons/10 Downing Street/Handout via REU
Verkehrsminister Grant Shapps bei der täglichen Pressekonferenz.
© via REUTERS, ANDREW PARSONS/10 DOWNING ST, RAF

Verkehrsminister Grant Shapps machte mit seiner Idee, "air bridges" einzuführen, Hoffnung, dass die Regelung, sich vierzehn Tage in Quarantäne begeben zu müssen, nicht für alle Einreisenden gelten müsse. Länder mit einer geringen Anzahl an Infizierten könnten von dieser Regelung ausgeschlossen werden, so der Vorschlag, den er dem britischen Parlament unterbreitete.

Regierungskreisen zufolge sei es allerdings unwahrscheinlich, dass eine solche Ausnahmeregelung eingeführt werden könnte. Am Nachmittag wird die britische Innenministerin Priti Patel verkünden, wie, ab wann und wie lange Einreiseregelungen konkret aussehen werden.

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