Bohrer stehen still - Warten auf neuen Bohrkopf

Neue Probleme bei Bohrungen - die Hoffnung für Julen (2) schwindet weiter

20. Januar 2019 - 16:28 Uhr

Zweijähriger Julen steckt im Schacht fest

Nächster Rückschlag beim der verzweifelten Suche nach dem kleinen Julen und die Wahrscheinlichkeit, den Zweijährigen noch lebend aus seinem unterirdischen Gefängnis retten zu können, wird immer kleiner. Leider gibt es weitere Verzögerungen beim Graben des Rettungsschachtes. "Eigentlich sollte der Rettungsschacht fertig gestellt sein, aber es ist gerade mal  knapp die Hälfte gebohrt. Es muss ein neuer Bohrkopf geliefert werden, weil sie auf massives Gestein gestoßen sind", berichtet RTL-Reporterin Pia Schrörs. "Die Bohrer stehen immer wieder still. Es wird zementiert, weil hier Einsturzgefahr dieser ganzen Konstruktion besteht. Es kommt immer mehr Kritik auf: Haben die Verantwortlichen richtig geplant?"

"Kaum einer glaubt noch, dass Julen noch lebt"

Öffentlich halten sich die spanischen Kollegen allerdings zurück mit der Kritik. Das sei "kulturbedingt", so die Reporterin. "Aber wenn man sich mit Kollegen alleine unterhält, erkennt man eine gewisse Skepsis an der Planung. Kaum einer glaubt, dass Julen noch lebt - aber das würde keiner laut sagen. Der offizielle Tenor hier ist, Julen wird lebend gerettet."

Die Bohrungsarbeiten hatten am Samstag begonnen, etwa 100 Helfer sind im Einsatz. Der Leiter des Rettungsteams rechnete damit, dass der Zweijährige nicht vor Montagfrüh geborgen werden könnte. Nach den erneuten Problemen ist diese Schätzung hinfällig.

Geplant ist, einen Tunnel senkrecht zum Unglücksschacht zu graben. Anschließend sollen zwei oder drei erfahrene Minenarbeiter in gut 70 Metern Tiefe eine erste horizontale, etwa vier Meter lange Verbindung zum Schacht herstellen.

Falsche Entscheidungen bremsen die Rettungsaktion aus

A drill is seen drilling a well at the area where Julen, a Spanish two-year-old boy fell into a deep well six days ago when the family was taking a stroll through a private estate, in Totalan, southern Spain, January 19, 2019. REUTERS/Jon Nazca
Die Bohrungsarbeiten hatten am Samstag begonnen, etwa 100 Helfer sind im Einsatz.
© REUTERS, JON NAZCA, JN/AND

Der spanische Architekt Jesus Flores Vila macht den Rettern schwere Vorwürfe: "Das Kind hätte innerhalb von zwei bis drei Tagen gerettet werden können." Dass die Retter stattdessen noch immer nicht zu Julen vorgedrungen seien, liege an mehreren Fehlern, erklärt er im RTL-Interview.

Die Retter halten es für denkbar, das Kind in einer Tiefe von 70 bis 80 Metern finden zu können - leicht unterhalb der Stelle also, an der man mit der Roboterkamera wegen des verstopften Schachts nicht weiter hatte vordringen können.