Neue Kritik an Post-Personalpolitik: Fast jeder fünfte Brief- und Paketbote nur befristet angestellt

Bei Wind und Wetter sind die Briefboten der Deutschen Post im Einsatz - aber wie sicher sind ihre Arbeitsverträge?
Bei Wind und Wetter sind die Briefboten der Deutschen Post im Einsatz - aber wie sicher sind ihre Arbeitsverträge?
© dpa, Sebastian Kahnert

13. Mai 2018 - 16:07 Uhr

Etliche Arbeitsverträge haben angeblich eine Laufzeit von weniger als drei Monaten

Nach der Empörung über Krankheitstage und Postauto-Unfälle als Kriterien für Arbeitsverträge geht es nun um unsichere Beschäftigungsverhältnisse. Knapp jeder fünfte Brief- und Paketzusteller bei der Deutschen Post soll nach Informationen der 'Bild am Sonntag' nur einen befristeten Vertrag haben.

Post widerspricht den Zahlen des Medienberichtes nicht

Wie die Zeitung unter Berufung auf Konzernunterlagen berichtete, haben etliche davon angeblich weniger als drei Monate Laufzeit. Ein Post-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, man gehe generell "sehr verantwortungsbewusst mit dem Instrument der Befristung" um. Den Angaben des Berichts widersprach er nicht, detaillierte Zahlen zum Anteil der befristeten Kräfte nannte er allerdings nicht.

Der Zeitung zufolge beschäftigte die Post im Bereich 'Brief' Ende des vergangenen Jahres insgesamt 14.780 befristet eingestellte Kräfte. Hinzukommen sollen 10.335 nicht ständig befristet Beschäftigte und sogenannte Abrufkräfte.

Insgesamt beschäftigt der Konzern Deutsche Post DHL Group weltweit rund 520.000 Mitarbeiter

Dagegen betonte die Post: "Allein letztes Jahr haben wir 9.000 befristete Arbeitsplätze in unbefristete umgewandelt und zudem in diesem Jahr bereits 2.500 unbefristete Jobs geschaffen." Insgesamt beschäftigt der Konzern Deutsche Post DHL Group weltweit rund 520.000 Mitarbeiter, darunter 108.000 Brief- und Paketzusteller.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte in den vergangenen Tagen bereits angekündigt, den Einfluss des Bundes bei der Deutschen Post für eine Änderung der Einstellungspraxis zu nutzen. Er hatte damit auf Entfristungskriterien reagiert, die sich an Krankheitstagen und Unfällen mit Postautos orientieren. Der Bund hält über die Staatsbank KfW knapp 21 Prozent an dem Dax-Unternehmen. Die Chefin der Kommunikationsgewerkschaft DPV, Christina Dahlhaus, äußerte Kritik an "Kettenbefristungen". Mehrere zeitlich begrenzte Verträge hintereinander seien eine "soziale Zumutung".