Unwetter in Italien

Neue Hochwasser bedrohen Venedig: Noch ist die Katastrophe nicht vorbei

14. November 2019 - 11:39 Uhr

Südöstlicher Wind treibt immer neues Wasser in die Lagune

Es ist ein verzweifelter Kampf, den die Lagunenstadt Venedig gerade gegen das Hochwasser führt. Dabei ist es weniger der Regen, der die Stadt unter Wasser setzt, sondern es sind Wind und Gezeiten.

Solange der Wind aus südostlicher Richtung kommt - und das tut er - drückt er das Wasser gnadenlos in die Lagune. Bereits am Freitag wird zur Mittagszeit ein neuer Wasserstand von 140 cm über dem Meeresspiegel erwartet.

Höchster Pegel am Freitag erwartet

Der kräftige Wind drückte schon in den vergangenen Tagen das Wasser aus der Adria in die Lagune. Kurz vor Mitternacht stieg es - angetrieben durch starken Wind - auf 187 cm über dem Meeresspiegel. Das ist der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 cm erreicht wurden (mehr dazu im Video). Der höchste Pegel wird mit der Flut am Freitag um 11.40 Uhr Ortszeit erwartet.

Die Gezeiten drücken das Wasser in die Höhe

Dazu kommen die Gezeiten, auch wenn sie an der Adria nicht so ausgeprägt sind wie an der Nordsee. Und so müssen sich die Menschen in Venedig auf weitere heftige Spitzen des Hochwassers gefasst machen. An Aufräumarbeiten ist unter diesen Umständen derzeit nicht zu denken.

Aussicht auf Besserung besteht kaum: "Der südöstliche Wind wird erst zum Beginn der neuen Woche etwas nachlassen. Ab Mittwoch ist dann deutlichere Entspannung angesagt", sagte RTL-Meteorologin Constance Ahlers.

Im Video: Diese Regenmengen kommen in den nächsten Tagen am Mittelmeer runter

Von einer "Katastrophe" sprach Bürgermeister Luigi Brugnaro und machte den Klimawandel dafür verantwortlich. Insgesamt gingen die Schäden - unter anderem am Markusdom - in die "Hunderte Millionen Euro". Es sind erschreckende Bilder: Wasserbusse schleuderte der starke Wind ans Ufer und versenkte einige, mindestens 60 Schiffe wurden beschädigt. Gondeln und Boote wurden aus Vertäuungen gerissen und trieben durch Kanäle.

Menschen kämpften in reißendem Wasser gegen den starken Wind. Hotels und Geschäfte wurden überschwemmt. Das Opernhaus "La Fenice" musste Vorführungen für Mittwoch und Donnerstag streichen.

Krypta des Markusdoms "gleicht einem Schwimmbad"

FILE PHOTO: A man wades in the flooded crypt of St Mark's Basilica during a period of exceptionally high water levels in Venice, Italy November 13, 2019. REUTERS/Manuel Silvestri/File Photo
Die Krypta des Markusdoms - ein Fiasko.
© REUTERS, Manuel Silvestri, MS/RAF/FW1F/Karishma Singh/FW1/K

Das "Acqua alta" flutete auch den Markusdom, bis zu 1,10 Meter hoch soll es gestiegen sein. Die Krypta glich einem Schwimmbad. Bürgermeister Brugnaro ist wütend. Wütend und besorgt, dass die Stadt den Wassermassen bald nicht mehr gewachsen sein wird. "Hier geht es nicht nur darum, die Schäden zu beziffern, hier geht es um die Zukunft der Stadt." Viele Menschen würden wegziehen, weil die Lebensumstände immer schwieriger würden.

Auf der südlich der Stadt gelegenen Insel Pellestrina ist ein 78-jähriger Mann von einem elektrischen Schlag getroffen worden, als er versuchte, die Entwässerungspumpe in seinem überfluteten Haus wieder in Gang zu setzen. Ein weiterer Bewohner der Insel ist tot in seinem Haus gefunden worden.

Nicht nur Italien - Sturmschäden in Griechenland

In der Nacht zum Mittwoch hat ein Herbststurm erhebliche Schäden in Griechenland vor allem auf den Inseln im Ionischen Meer angerichtet. Auf der Insel Korfu musste die Feuerwehr immer wieder ausrücken, um umgestürzte Bäume und durch die Gegend geschleuderte Gegenstände zu räumen. Zudem wurden Fahrer aus ihren auf überschwemmten Straßen steckengebliebenen Fahrzeugen befreit; der Strom fiel auf Korfu vorübergehend aus. Auf der Insel Kefalonia beschädigten Schlammmassen zahlreiche Häuser. Alle Schulen auf diesen Inseln blieben am Mittwoch geschlossen.