Neue Granaten schlagen in der Türkei ein

Türkische Soldaten patroullieren an der syrischen Grenze.
Türkische Soldaten patroullieren an der syrischen Grenze.
© REUTERS, MURAD SEZER

08. Januar 2013 - 18:23 Uhr

Kämpfe in Grenzregion gehen unvermindert weiter

An der türkisch-syrischen Grenze ist es einen Tag nach der Kriegswarnung von Ministerpräsident Tayyip Erdogan erneut zu Scharmützeln gekommen. Nachdem am Samstag abermals drei Granaten aus Syrien südtürkisches Gebiet traf, erwiderte das Militär umgehend das Feuer, wie der Gouverneur der Provinz Hatay mitteilte.

Früh am Morgen sei das Geschoss auf einem Feld nahe des Dorfes Güvecci in der Region Yayladagi eingeschlagen. Vermutlich seien die Granaten von syrischen Sicherheitskräften auf Rebellen im Grenzgebiet abgefeuert worden. Es habe keine Toten gegeben. Vier Stunden später sei eine weitere Granate nur 50 Meter von einem türkischen Beobachtungsposten entfernt bei Güvecci eingeschlagen, meldete die Nachrichtenagentur Dogan.

Berichte über Opfer oder eine Reaktion des türkischen Militärs lagen zunächst nicht vor. Anwohner wurden von den Behörden angewiesen, Balkone zu meiden und sich möglichst wenig im Freien aufzuhalten.

Syrer weiter selbstbewusst - keine Entschuldigung für Grenz-Vorfall

Es war der vierte Tag in Folge, an dem das Nato-Mitglied Feuer aus Syrien erwiderte. Die Lage hatte sich dramatisch zugespitzt, als am Mittwoch in Akcakale fünf Türken durch Beschuss aus Syrien ums Leben gekommen waren. Erdogan sagte, die Türkei wolle keinen Krieg. Doch wer die Reaktionsfähigkeit und Entschlossenheit seines Landes testen wolle, begehe einen tödlichen Fehler. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer "extrem ernsten Situation".

Der UN-Sicherheitsrat kritisierte zwar den syrischen Angriff auf die Türkei mit fünf Toten scharf. Doch auch nach der Eskalation im Konflikt wollen sowohl Ankara als auch der Westen einen Krieg mit Syrien vermeiden.

Und die Syrer geben sich weiter stark und arrogant. Eine Entschuldigung für den Grenzvorfall lehnte die Führung in Damaskus ab. Die türkische Regierung hingegen sendete Friedenssignale.

"Der Rat fordert, dass solche Verletzungen des internationalen Rechts sofort aufhören und sich nicht wiederholen. Die Mitglieder des Sicherheitsrates fordern Zurückhaltung von beiden Seiten", sagte der guatemaltekische UN-Botschafter Gert Rosenthal, der im Oktober Präsident des Sicherheitsrates ist. Die neuere Granatenexplosion ist kein Zeichen für Zurückhaltung.