Neue Details aus den Germanwings-Flugschreibern: Andreas L. ist bewusst in die Katastrophe geflogen

Copilot Andreas L. handelte nach bisherigen Erkenntnissen bewusst.
Copilot Andreas L. handelte nach bisherigen Erkenntnissen bewusst.
© dpa, Foto-Team-Müller

21. Juli 2015 - 13:22 Uhr

Verkehrsminister Dobrindt informiert über Ermittlungsstand

Was bisher alle Indizien zeigten, bestätigt jetzt auch die Detailauswertung der beiden Flugschreiber: Copilot Andreas L. hat die Germanwings-Maschine 4U9525 offensichtlich mit voller Absicht in die Katastrophe gesteuert.

Es sei nun abschließend klar, dass der Copilot mehrfach bewusst eingegriffen habe, um die Maschine mit 150 Menschen an Bord zum Absturz zu bringen, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nach einer Sitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses.

Der 27-Jährige habe sowohl die Höhe als auch die Geschwindigkeit nachgesteuert und zudem aktiv das Steuer betätigt. Damit sei durch die Aufzeichnungen von Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber die Handlungsfähigkeit des Mannes "voll nachgewiesen".

Dobrindt hatte den Ausschuss gemeinsam mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr über den aktuellen Stand der Ermittlungen informiert.

Testjet soll Unglücksroute nachfliegen

Dobrindt kündigte für Mai einen Testflug auf der Route von Unglücksflug 4U9525 an, um letzte noch offene Fragen zu klären. Das soll etwa helfen, aufgezeichnete Geräusche besser einzuordnen, zu denen sich nichts auf dem Datenrekorder wiederfindet.

Ein Zwischenbericht soll nach Dobrindts Worten "relativ bald" veröffentlicht werden. Es werde noch einige Wochen dauern, aber bei weitem nicht das vom Gesetzgeber maximal vorgesehene Jahr.

In der Sitzung hinter verschlossenen Türen wurde nach Auskunft des Ausschussvorsitzenden Martin Burkert (SPD) auch über die Frage der Entschädigungen gesprochen. Details wurden nicht bekannt. Die Anwälte der Hinterbliebenen formieren sich bereits für die Verhandlungen mit der Lufthansa. Die durchschnittliche Entschädigung pro Opfer dürfte siebenstellig werden. Zur zugesagten Soforthilfe von 50.000 Euro je Opfer sagte Spohr, inzwischen seien "so gut wie alle Angehörigen, die dafür Ansprüche angemeldet haben, bereits mit ersten Zahlungen ausgestattet".

Wann die sterblichen Überreste übergeführt werden könnten, liege in Händen der französischen Behörden, die sich dazu noch nicht geäußert hätten. "Wir erwarten auch, wie die Angehörigen, dass wir dazu hoffentlich bald etwas konkretere Aussagen bekommen", sagte der Lufthansa-Chef.

Der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen an einer Felswand zerschellt, auch 72 Deutsche starben. Der Copilot, der seinen Kollegen wohl aus dem Cockpit aussperrte, hatte den Ermittlern zufolge 2009 eine schwere Depression und war damals suizidgefährdet, am Absturztag war er krankgeschrieben.