Neue Corona-Studie

Kinder sind deutlich seltener mit Corona infiziert als ihre Eltern

Gespielt wurde in einigen Kitas schon lange nicht mehr - zu groß ist die Sorge vor einer Corona-Ausbreitung
© dpa, Rolf Vennenbernd, ve axs

16. Juni 2020 - 19:14 Uhr

Hoffnung für Kinder und Eltern

Auf dem Weg zur Wiedereröffnung von Schulen und Kitas könnte diese Studie eine wichtige Rolle spielen: Laut einer Untersuchung aus Baden-Württemberg stecken Kinder sich seltener mit dem Coronavirus an als ihre Eltern. Entwarnung gibt es aber noch nicht.

Kinder sind keine Treiber der Ausbreitung

Geschlossene Kitas und Schulen, Kinderbetreuung zu Hause: Diese Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben vielen Eltern in den letzten Monaten zu schaffen gemacht. Und während in Deutschland in vielen Bereichen immer mehr zum Alltag zurückkehrt, sind diese Einrichtungen oft noch immer weit entfernt vom Normalbetrieb - zu groß ist die Befürchtung, die Kinder könnten sich dabei gegenseitig anstecken. Eine südwestdeutschen Eltern-Kind-Studie gibt Eltern Grund zur Hoffnung. Demnach sind Kinder wohl keine Treiber der Ausbreitung.

Von fast 2500 untersuchten Kindern nur 19 mit dem Virus infiziert

Vor acht Wochen hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) die Eltern-Kind-Studie in Auftrag gegeben. Am Montag wurde eine Zwischenbilanz vorgestellt.

Für die Studie wurden etwa 5000 Menschen ohne Corona-Symptome auf das Virus getestet: Rund 2500 Kinder unter zehn Jahren und je ein Elternteil. Das Ergebnis: Nur ein Elternteil-Kind-Paar war zum Zeitpunkt der Studie infiziert. 64 Getestete, also 1,3 Prozent, hatten Antikörper gebildet und weitgehend unbemerkt eine Corona-Infektion durchlaufen. 45 der positiv Getesteten waren Erwachsene und nur 19 Kinder.

Kinder seien daher nicht als Treiber der Infektionswelle anzusehen, sagte Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Ulm.

Studie lässt trotzdem keine grundsätzliche Aussage zu

Allerdings habe man habe mit der Studie nicht gezielt untersucht, wie infektiös Kinder sind, so Hans-Georg Kräusslich, Sprecher des Zentrums für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Man könne bei den positiv getesteten Eltern-Kind-Paaren keine grundsätzliche Aussage darüber treffen, wer wen angesteckt hat. Schon seit längerem ist bekannt, dass Kinder seltener schwer erkranken, wenn sie sich mit dem Corona-Virus infizieren. Doch wie oft Kinder das Corona-Virus weitergeben können, ist noch umstritten. Die Studie könnte aber die Entscheidung stützen, Kindergärten und Schulen wieder zu öffnen. Denn dabei wurden gezielt auch Kinder einbezogen, die eine Notbetreuung besucht hatten. Auch diese Kinder waren nicht häufiger infiziert als die, die zuhause geblieben waren.

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