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Neue bundesweite Kriminalstatistik: deutlich mehr Gewaltdelikte

Neue bundesweite Kriminalstatistik: deutlich mehr Gewaltdelikte

Merh Gewalttaten - weniger Einbrüche

Die Gewalt in Deutschland nimmt deutlich zu, während die Zahl der Wohnungseinbrüche 2016 zum ersten Mal seit Jahren wieder gesunken ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Polizeiliche Kriminalstatistik, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière vorgestellt hat. Die Zahl ausländischer Tatverdächtiger ist demnach stark gestiegen. "Bei den Gewaltdelikten haben wir ein Prozent mehr Deutsche, aber knapp 90 Prozent mehr zugewanderte Tatverdächtige im Jahr 2016", sagte de Maizière.

Politisch motivierte Straftaten auf Höchststand

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU, r) präsentiert am 24.04.2017 in Berlin neben dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), den Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik (PkS) 2016. Foto: Michae
Bundesinnenminister Thomas de Maizière stellte den gedruckten Bericht zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2016 in Berlin vor.
mkx vge, dpa, Michael Kappeler

Die Gesamtzahl der Straftaten blieb im vergangenen Jahr nahezu unverändert. Im Vergleich zu 2015 stieg sie nur minimal von 6,33 Millionen Fälle auf 6,37 Millionen. Überdurchschnittliche

Zuwächse gab es aber im Bereich der Gewaltkriminalität: Die registrierten Gewaltverbrechen stiegen um 6,7 Prozent auf insgesamt 193.542 Fälle. Zugenommen hat vor allem die gefährliche und schwere Körperverletzung um 9,9 Prozent auf mehr als 140.000 Taten. Fälle von Mord und Totschlag sowie Tötung auf Verlangen legten um 14,3 Prozent auf 2.418 Fälle zu, wobei der Anteil der Versuche mit fast 73 Prozent überwiegt. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung lag der Anstieg bei 12,8 Prozent.

Dominierend waren wie in den Vorjahren die Diebstahlsdelikte, die einen Anteil von 37,3 Prozent an der Gesamtkriminalität haben. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl aber um 4,4 Prozent auf 2,37 Millionen Fälle. Unter anderem wurden weniger Autos und Fahrräder entwendet.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche, die zu den Diebstählen zählen, ging zum ersten Mal seit vielen Jahren zurück, und zwar um 9,5 Prozent auf 151.265 Fälle. Bei fast 67.000 Fällen handelte es sich um Versuche. Allerdings waren 2015 auch so viele Einbrüche registriert worden wie seit den 90er Jahren nicht mehr. Nur in zwei Bundesländern kam es häufiger zu Einbrüchen: in Sachen und in Sachsen-Anhalt.

Politisch motivierte Straftaten erreichten mit mehr als 41.500 Verbrechen zum vierten Mal in Folge einen Höchststand. Es handelt sich um einen Anstieg um 6,6 Prozent. "Das ist inakzeptabel", sagte de Maizière. Der Minister beklagte insgesamt einen Anstieg von Respektlosigkeit, Gewalt und Hass in Deutschland. Die Zahl rechter Straftaten blieb laut Statistik 2016 auf hohem Niveau. Gezählt wurden hier 23.555 Straftaten - 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa zur Hälfte handelte es sich hier um Propagandadelikte, die Zahl rechter Gewalttaten nahm aber ebenfalls zu (plus 14,3 Prozent). Straftaten aus der linken Szene gingen dagegen um 2,2 Prozent zurück - auf 9.389.

Besonders deutlich ist der Anstieg der Fallzahlen aus dem Bereich der "politisch motivierten Ausländerkriminalität" - wenn auch auf weit niedrigerem Niveau. Dies sind laut Polizei Delikte, die "durch aus dem Ausland 'importierte' Ideologien motiviert" sind. Registriert wurden hier im vergangenen Jahr 3.372 Straftaten - 66,5 Prozent mehr als 2015. Der Anstieg in diesem Feld geht laut Polizei vor allem auf Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK zurück, die auch in Deutschland ausgetragen werden.

Anstieg von Gewaltdelikten, die durch Zuwanderer verübt werden

ILLUSTRATION - Ein Mann greift am 24.04.2017 in Ebenhofen (Bayern) nach einer Frau, von beiden sind nur die Schatten zu sehen. (zu dpa-Meldung: «Neue Kriminalstatistik: Mehr Gewalttaten» vom 24.04.2017) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++(c) dpa - B
Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung gab es 2016 einen Anstieg um 12,8 Prozent auf 7.919 Fälle. (Symbolbild)
kjh nic, dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer stieg um 52,7 Prozent auf 174.438. Dazu zählt die Kriminalstatistik Asylbewerber, Menschen mit Duldung, Kontingent- und Bürgerkriegsflüchtlinge oder Personen mit unerlaubtem Aufenthalt, nicht aber anerkannte Flüchtlinge. Bei Taschendiebstählen stellen Zuwanderer einen Anteil von 35 Prozent aller Tatverdächtigen, bei Ladendiebstählen 16,8 Prozent, bei Raubdelikten 14,3 Prozent, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung sowie gefährlicher und schwerer Körperverletzung je 14,9 Prozent.

"Da gibt es nichts zu beschönigen. Das gilt leider für nahezu alle Delikbereiche. Und leider, das zeigen die Zahlen, geht der deutliche Anstieg im Bereich der Gewaltdelikte vor allem auf einen Anstieg der durch Zuwanderer verübten Gewaltdelikte zurück. bei den Gewaltdelikten haben wir ein Prozent mehr Deutsche, aber knapp 90 Prozent mehr zugewanderte Tatverdächtige im Jahr 2016", sagte Innenminister de Maizière.

Wenn man Verstöße gegen das Ausländerrecht wie die illegale Einreise von Flüchtlingen herausrechnet, ist Bayern das sicherste deutsche Bundesland: Laut Statistik kommen im Freistaat nur 4.785 Straftaten auf 100.000 Einwohner. Am anderen Ende des Rankings finden sich die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Die Flächenländer mit der höchsten Kriminalität sind Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen mit jeweils mehr als 8.000 Fällen je 100.000 Einwohner. Die Aufklärungsquote lag insgesamt mit 56,2 Prozent etwa auf dem Niveau des Vorjahres.