Kölner soll am Freitag in den USA kämpfen

Neue Box-Posse: Don King versucht Mahmoud Charr auszubooten

Mahmoud Charr stand seit fast vier Jahren nicht mehr im Ring
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26. Januar 2021 - 14:42 Uhr

Don King macht Mahmoud Charr das Leben schwer

Mahmoud Charr droht mal wieder in eine Box-Posse zu geraten. Nach fast vier Jahren Pause soll der Wahl-Kölner endlich wieder in den Ring steigen, seinen (räusper, räusper) "Weltmeister"-Titel des Verbandes WBA in Florida gegen Trevor Bryan verteidigen. Das erforderliche Visum hat Charr zwar rechtzeitig bekommen, trotzdem könnte der Kampf ins Wasser fallen. Der Grund: Don King, berüchtigter Promoter und Starkstromfrisurenträger.

Charr muss WBA-Titel gegen Bryan verteidigen

Charr soll seinen "regulären" WBA-Titel (Witz-Titel 1, d. Red.) am Freitag im Hard Rock Hotel & Casino in Hollywood, Florida eigentlich gegen WBA-Interims-Champion (Witz-Titel 2, d. Red.) Trevor Bryan verteidigen. Zuvor hatte der Verband WBA Druck gemacht, der Kampf müsse bis zum 29. Januar stattfinden.

King, der Bryan promotet, hat die Veranstaltungsrechte für rund zwei Millionen Dollar erworben – und versucht, Charr auszubooten. Der 89-Jährige legte bei der WBA eine Petition vor. Inhalt: Bryan soll nicht gegen Charr, sondern gegen Kings Schützling Bermane Stiverne um den "WM"-Gürtel boxen. Die WBA solle Charr dagegen zum "Weltmeister im Ruhestand" (ein Begriff, den es wohl nur im Preisboxen gibt) erklären.

Veranstaltungsort weiß nichts von seinem Boxglück

Don King war schon zu den Zeiten von Muhammad Ali im Boxgeschäft. Foto: Ronald Wittek
Box-Promoter Don King zog früher Mike Tyson das Geld aus der Tasche
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Allerdings bekam Charr sein Visum für den Kampf in den USA rechtzeitig, dem Duell steht also eigentlich nichts mehr im Weg. Ob Kings Kampfabend in Florida aber überhaupt wie geplant über die Bühne geht, weiß momentan keiner – auch nicht Charr und sein Team. "Die WBA hat den Kampf angeordnet und wir sind bereit", sagte Charrs Promoter Erol Ceylan zu "boxingscene.com".

Laut dem Fachportal gibt es aber ein ganz anderes Problem: Im Hard Rock Hotel & Casino weiß gar niemand, dass dort am Freitag ein Boxabend stattfindet. Auf der Website des Unternehmens ist das Event ebenfalls nicht vermerkt.

"Der Ball liegt jetzt bei Don King. Wenn er das nicht auf die Reihe bringt, ist es nicht unsere Schuld", sagte Ceylan.

Charr seit fast vier Jahren nicht aktiv

Charr stand zuletzt im Mai 2017 im Ring: In Oberhausen gewann er den zweitrangingen, "regulären" WBA-Titel durch einen Punktsieg über den Russen Alexander Ustinov. Ein geplanter Kampf 2018 in Köln gegen Fres Oquendo fiel wegen eines Doping-Befunds bei Charr ins Wasser.

Eine Sperre konnten Charr und sein Team durch ein Schlupfloch in den Doping-Regularien der freiwilligen Anti-Doping-Agentur Vada verhinden. Ort und Gegner ließen sich für den 36-Jährigen aber auch danach nicht finden, 2020 ging wegen Corona nichts.

Im Vergleich zu Charr war Bryan geradezu ein Muster an Aktivität. Der Amerikaner kämpfte zuletzt Ende 2018.

Sportlich ist der "WM"-Kampf Charr vs. Bryan also wertlos – ob er zustande kommt, weiß wohl nur Don King.