Neu entdeckte Melanchthon-Handschriften bald in Museen

Eine Handschrift des Reformators Philipp Melanchthon vor einem Porträt, das Melanchthon darstellt. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Eine Handschrift des Reformators Philipp Melanchthon vor einem Porträt, das Melanchthon darstellt. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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18. April 2021 - 8:51 Uhr

Wittenberg (dpa/sa) - Die Stiftung Luthergedenkstätten Wittenberg ist um zwei Handschriften des Reformators Philipp Melanchthon (1497-1560) reicher. In dem einen Text geht es um das Verhältnis von Mann und Frau, in dem anderen um eine astronomische Erscheinung. "Während die Handschrift zur Astronomie unser Bild über Melanchthon ergänzt, erweitert der Text zu Frauen das Bild über Melanchthon", sagte der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein. "Der Ankauf der Astronomie-Handschrift von einem privaten Sammler hat einen unteren, fünfstelligen Betrag gekostet." Der Sammler will nicht genannt werden.

Laut Rhein soll das Stück zur Astronomie im Museum Luthers Elternhaus in Mansfeld, die andere Handschrift in Wittenberg zu sehen sein. Beide Objekte wurden von Experten der Melanchthon-Forschungsstelle in Heidelberg als echt bestätigt.

Die Handschrift zum Verhältnis Männer und Frauen von 1547 wurde Anfang des Jahres im Depot der Stiftung in Eisleben gefunden. "Beim Durchsehen der Bestände ist die Handschrift aufgefallen, weil sie in einem Buch extra eingebunden war", sagte die Sammlungsleiterin in Eisleben, Christine Doleschal. "Dieses Buch ist eine kleine Festschrift zum 200. Todestag von Philipp Melanchthon von 1760. In unsere Sammlung ist das Buch 1817, zum 300. Reformationsjubiläum, gekommen."

In dem Text über Frauen zitiert Melanchthon den griechischen Philosophen Pythagoras: "Wenn man seine Frau am Altar überreicht bekommt, dann muss man sie schützen." Und Melanchthon nimmt diese Aussage zur Grundlage eigener Gedanken. "Er fordert die Männer auf, gütig und sanft mit ihren Frauen umzugehen", so Rhein. "Man soll auch keinen Zorn gegen sie ausstoßen." Möglicherweise war das ein Geschenk an die Braut zu einer Hochzeit.

Im astronomischen Text beschreibt Melanchthon das Auftreten von Nebensonnen bei Mansfeld. "Deshalb soll der Text perspektivisch in der Dauerausstellung im Elternhaus von Luther in Mansfeld zu sehen sein", sagte Rhein. Am 1. Januar 1554 beobachtete Melanchthon in Wittenberg ein eindrucksvolles Himmelsschauspiel, nämlich zwei Nebensonnen. Auch in der Nähe von Mansfeld, so berichtet er, sei dies aufgetreten. Was Melanchthon Nebensonnen nannte, wird heute als Halo-Erscheinungen bezeichnet. Dabei treten aufgrund von Lichtbrechungen durch Eiskristalle in der Atmosphäre links und rechts der Sonne Lichteffekte auf, die wie zwei zusätzliche Sonnen erscheinen.

Im Archiv der Lutherstiftung lagern rund 7000 Handschriften aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. "Aber es gibt wenige Manuskripte von Melanchthon", sagte Rhein.

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Quelle: DPA

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