Nettes Hilfsmittel oder reine Provokation? Am 'Knee Defender' scheiden sich die Geister

Beinfreiheit vs. Provokation

Für groß gewachsene Menschen waren Flugreisen noch nie wirklich ein Vergnügen. Doch die Profitgier vieler Fluggesellschaften, die sich nicht zuletzt in möglichst eng bestuhlten Innenräumen niederschlägt, macht den Aufenthalt an Bord zum Kampf um jeden Zentimeter. Um gegen die teils qualvolle Enge im Flieger anzukämpfen, helfen sich einige Passagiere mittlerweile mit dem sogenannten 'Knee Defender' (übersetzt: Knieschützer).

Diese handliche Apparatur, bestehend aus zwei kleinen Plastikkeilen, soll verhindern, dass der Vordermann im Flieger die Rückenlehne zurückstellen kann. Man zwingt ihn oder sie also, aufrecht sitzen zu bleiben, und sichert somit die eigene, ohnehin schon eingeschränkte Beinfreiheit. Der Einsatz des von der Luftaufsichtsbehörde bis dato nicht verbotenen 'Knee Defenders' hat aber bereits zu heftigen Auseinandersetzungen an Bord geführt.

Zwischenlandungen wegen eskalierender Streits

So musste kürzlich der United-Airlines-Flug 1462 von Newark nach Denver auf halber Strecke in Chicago zwischenlanden, weil ein Streit zwischen zwei Passagieren über den Einsatz des 'Knee Defenders' zu eskalieren drohte. Einige Fluggesellschaften, darunter vor allem US-Airlines, haben das heikle Hilfsmittel bereits verboten. Auch bei anderen Fluggesellschaften führte der 'Knee Defender' schon zu Ärger und ist in der Diskussion.

Der Amerikaner Ira Goldman, Erfinder des 'Knee Defenders' und selbst 1,94m groß, sieht die Unternehmen in der Pflicht. “Keiner kauft das doch aus Jux. Die Leute brauchen es, weil sie ein Problem haben, und das müssen sie irgendwie lösen“, so der Verfechter der Beinfreiheit.

Vor genau einer Woche wurde erneut ein US-Flugzeug zu einer ungeplanten Landung gezwungen, da ein 60-jähriger Mann sich dermaßen über die Rückenlehne seiner Vorderfrau aufgeregt hatte, dass der an Bord befindliche Air Marshall ihm Handschellen anlegen musste. Ob ein 'Knee Defender' die Situation beruhigt hätte, bleibt allerdings anzuzweifeln. Insbesondere in den USA scheint es irgendwie, als seien die bequemen Zeiten in der Luft vorbei.