Für den Täter gab es ein juristisches Schlupfloch

Nebraska: Frau muss sich Sorgerecht für Tochter mit Vergewaltiger teilen

04. Dezember 2018 - 16:22 Uhr

Eine Mutter kämpft

Sammy Woodhouse (33) aus dem englischen Rothersham wurde vor 18 Jahren nach einer Vergewaltigung schwanger. Vor wenigen Tagen erfuhr sie, dass ihr Vergewaltiger das Recht hat, sein Kind zu sehen. Seitdem kämpft Sammy für eine Gesetzesänderung. Sie will Vergewaltigern den Umgang mit ihren Kindern verbieten.

Was für Sammy das Szenario ihres schlimmsten Albtraums darstellt, ist für Noemi Realität. Sie wurde in Folge einer Vergewaltigung schwanger und muss ihr Kind regelmäßig ihrem Peiniger überlassen. Immer dienstags und jedes zweite Wochenende darf der Vergewaltiger seine inzwischen sechsjährige Tochter sehen. Noemi hatte versucht gegen das Besuchsrecht zu klagen.

Gericht hat entschieden: Geteiltes Sorgerecht

Ein Gericht in Nebraska hat allerdings entschieden: Es gilt das geteilte Sorgerecht. An den Wochenenden darf der Mann sie sogar über Nacht behalten.

Wie konnte es dazu kommen? Als Noemi missbraucht wurde, war sie 18, arbeitete als Kellnerin. Ein Kollege bat sie auf ein Getränk mit zu sich nach Hause, vergewaltigte sie. Noemi wurde schwanger, ihr Kollege bekannte sich schuldig, allerdings "nur" des sexuellen Missbrauchs - ein juristisches Schlupfloch. Die Strafe: 18 Monate auf Bewährung. Außerdem darf er seine Rechte als Vater wahrnehmen.

Kein Einzelfall

In den USA tauchen Mütter sogar ab, um nicht in eine Situation wie Naomi zu kommen. In Deutschland wäre Sorgerecht für einen Vergewaltiger theoretisch auch möglich. Der Mutter müsste aber eine sehr schwere Gefährdung des Kindeswohls nachgewiesen werden.

Mittlerweile ist auch in Nebraska eine Gesetzesänderung im Gespräch. Noemi macht das Hoffnung.  Dann muss sie ihren kleinen Schatz nicht mehr an den Mann abgeben, der ihr so Entsetzliches angetan hat.

Zu Sammys Glück lehnte ihr Vergewaltiger das Angebot auf Kontakt mit seinem Sohn ab. Der Vater ist Kopf einer Bande, die in Rothersham über 1.400 Kinder und Jugendliche missbraucht hat. Trotzdem kämpft Sammy weiter, denn es geht nicht um sie persönlich. Es geht um Frauen wie Noemi, die der Alptraum regelmäßig einholt und von neuem quält.