Streit zwischen Basketball-Liga und der Volksrepublik eskaliert

Die NBA knickt vor China ein

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9. Oktober 2019 - 11:51 Uhr

Entweder Geld oder Meinungsfreiheit – zwischen diesen Optionen müssen NBA-Funktionäre wohl entscheiden. Zumindest wenn sie für wenige Spiele nach China fliegen, um dort an den "NBA China Games" teilzunehmen. Einer hat sich falsch entschieden …

Es geht um Milliarden Dollar

Seit Monaten gehen Demonstranten in Hongkong auf die Straße. Sie fordern mehr Demokratie in der Sonderverwaltungszone. Proteste, die viel Unterstützung finden - zum Beispiel beim Geschäftsführer der Houston Rockets, Darly Morey. Er twitterte am Freitag seine Unterstützung für die Pro-Hongkong-Bewegung. Und das kam gar nicht gut an.

Als Konsequenz hat der Sportkanal der staatlichen Fernsehstation CCTV entschieden, keine Spiele der "NBA China Games" übertragen zu wollen. Außerdem erklärte der Sender, dass die gesamte Kooperation und Kommunikation mit der NBA "überdacht" werden würde. Bedeutet: Der Liga würde ein Haufen Geld flöten gehen.

Beschwichtigungen erfolglos

Nun rudert diese zurück, bekräftigt seine Liebe zu China. Wenn es um Geld in Milliardenhöhe geht, sind Werte wie Meinungsfreiheit offenbar zweitranging.

Rockets-Superstar James Harden sah sich sogar genötigt, um Verzeihung zu bitten. "Wir entschuldigen uns. Wir lieben China", sagte Harden. Auch Moreys Beschwichtigungsversuche blieben wirkungslos. Er schrieb bei Twitter, dass er nur einen Gedanken geäußert habe. Er habe seit Absetzen des Tweets die Möglichkeit gehabt, andere Seiten zu hören und zu berücksichtigen. Seinen ursprünglichen Tweet hat er mittlerweile gelöscht.

Statements mit unterschiedlichen Inhalten

Selbst die NBA veröffentlichte eine Pressemitteilung zu dem Thema. Auf Englisch und natürlich auch auf Chinesisch. Soweit so gut - nur sollen sich diese laut abc News deutlich unterscheiden. Die chinesische Fassung soll Moreys Aussagen deutlich stärker verurteilt haben.

NBA-Boss Adam Silver stellte allerdings klar, dass die Liga trotz allen Ärgers hinter Morey stehe. Der Manager habe selbstverständlich das Recht zur freien Meinungsäußerung.

Damit hat Silver, gewollt oder ungewollt, die Situation noch explosiver werden lassen. Als Reaktion auf den Schulterschluss ließ CCTV mitteilen: "Wir drücken unsere starke Unzufriedenheit und Ablehnung gegen Adam Silver aus."

Absagen der Basketball-Spiele anderer amerikanischen Teams stehen aktuell aber nicht zur Debatte.