Kommentar zum Re-Start in Florida

Die NBA muss jetzt Vorbild sein

30. Juli 2020 - 6:22 Uhr

Die NBA ist zurück und hat einen Auftrag

Die Basketball-Glamourliga NBA setzt in Disney World in der Nacht zu Freitag unter Palmen ihre Saison fort. Man darf durchaus darüber streiten, ob das in einem Land, das so schwer von Corona betroffen ist wie die USA, das richtige Signal ist. Noch dazu, wenn man sich die Bilder aus der "Bubble" in Florida genauer ansieht: Die NBA-Teams leben in Luxus-Resorts. Eine echte Parallelwelt. Goodlife während draußen Menschen ums Überleben kämpfen? Der Re-Start ist aber vor allem eins: eine Chance, ein Zeichen zu setzen, als Vorbild voranzugehen.

10 Fakten zur NBA-"Bubble" in Disney-World.

Von Sebastian Fuhrmann

Alle Augen werden aufs Hartholz gerichtet sein. Die Sportler erreichen in Orlando mehr denn je ein Millionenpublikum, dem es nach rar gewordenem Live-Sport dürstet. Nicht nur in den USA, sondern global. Denn das ist die NBA: eine globale Liga, in der Dutzende Sportler aus Ländern unterwegs sind, die mit Corona zu kämpfen haben. Giannis Antetokounmpo etwa, ein Grieche mit nigerianischen Wurzeln, Star-Spieler des besten Teams der regulären Saison, der Milwaukee Bucks.

Spieler und Offizielle müssen diese Bühne nutzen und sich vorbildlich verhalten. Masken tragen, die Hygiene-Regeln befolgen, die Pandemie ernst nehmen, vernünftig darüber sprechen - wenn es schon der Präsident nicht tut.

Trump vermittelt falschen Umgang

Donald Trump ist ein Anti-Vorbild. Was wurde darüber berichtet, als er bei einem Krankenhaus-Besuch endlich einen Mund-Nasen-Schutz trug, nachdem er das vorher kategorisch abgewiesen hatte. Nein, sich sogar darüber lächerlich gemacht hatte. Als hätte das noch etwas ändern können. Trump hat Corona heruntergespielt, seinem Land einen völlig falschen Umgang vermittelt mit dem Virus.

Es gibt keinen statistischen Nachweis dafür, aber die viereinhalb Millionen Infizierten und mehr als 150.000 Toten in den USA hätten weitaus geringer ausfallen können mit einem Krisenmanagement, das den Namen verdient.

Die freiheitsliebenden Staaten, deren Definition von Freiheit für Europäer manchmal eigenwillig ist, hätten mehr als andere einen geschickten Vermittler gebraucht. Einen, der jenen, die so argumentieren, erklärt, dass eine Maske zu tragen nicht die Freiheit einschränkt, sondern es die Freiheit anderer und aller einschränkt, wenn man keine trägt. Denn ohne verbreitet sich der Virus - und der hat doch erst zu allem geführt.

Der Sport kann nicht zaubern, aber das Land braucht Zeichen

Der Sport hat eine Vorbildfunktion und -Wirkung. Natürlich sind keine Wunderdinge zu erwarten. Es wird nicht plötzlich jeder mit Maske herumlaufen und auch nicht seine Haltung ändern, nur weil ein paar Sportler es vorleben. Aber die Liga kann zeigen, dass es anders geht, dass es nur miteinander funktioniert, nicht gegeneinander. So, wie es in den USA auf politisch-bürokratischer Ebene in dieser fatalen Gesundheitskrise oft genug der Fall ist.

Der Footballer Laurent Duvernay-Tardif hat ein besonderes Ausrufezeichen gesetzt. Er steigt zur neuen Saison wegen Corona aus seinem Vertrag aus. Er könne es nicht verantworten, wenn andere sich ansteckten, weil er Sport machen will, sagte er. Er verzichtet auf mehr als zwei Millionen Dollar Gehalt, die ihm zugestanden hätten. Auch, wenn es dem Land nicht aus der Krise helfen wird, braucht es jetzt Zeichen wie diese, denn Corona wird nicht morgen Geschichte sein.

Die NBA wiederum kann ich eins ganz sicher nicht leisten. Es sind Nachrichten wie diese: Lou Williams von den Los Angeles Clippers verließ die Bubble für eine Beerdigung und wurde danach wo gesichtet? In einem Stripclub.