Nach „Date hinter Gittern“

Nawalnys Frau vor Straflager: „Mache mir noch mehr Sorgen um ihn“

Straflager 2 in Pokrow (Russland), von hier aus hatte Nawalnys Frau gepostet.
Straflager 2 in Pokrow (Russland), von hier aus hatte Nawalnys Frau gepostet.
© dpa, Pavel Golovkin, AZ abl

15. April 2021 - 7:33 Uhr

Instagrampost von Julija Nawalnaja

Zum ersten Mal seit Januar hat Julija Nawalnaja ihren Mann, den inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, sehen dürfen. In einem emotionalen Post auf Instagram berichtet sie über den Besuch im Straflager. Der Hungerstreik und die Verweigerung von ausreichender ärztlicher Versorgung machen Nawalny wohl sichtlich zu schaffen.

Sorge um ihren Mann

Der Post von Dienstag zeigt die Frau des Kreml-Kritikers vor dem russischen Straflager 2 Pokrow, knapp 100 Kilometer östlich von Moskau. Sie schreibt in ihrem "Post über die Liebe" über das Gespräch mit ihrem Mann, das hinter einer Glasscheibe stattgefunden haben soll. "Nachdem ich Alexej getroffen habe, mache ich mir noch mehr Sorgen um ihn", schrieb sie. Ihr Mann wiege nur noch 76kg und das bei einer Größe von 1,90m. Bei dem Gespräch hatte er immer wieder Pausen einlegen müssen und den Telefonhörer, über den die Kommunikation abgelaufen war, ablegen müssen.

Keine medizinische Hilfe

Doch trotz der sichtbaren gesundheitlichen Leiden Nawalnys, habe er immer noch keine ärztliche Behandlung erhalten und das, obwohl ihm diese rechtlich zustehe. Ein Ex-Häftling beschreibt das Lager im RTL-Interview folgendermaßen: "Sie bekommen dort praktisch keine medizinische Hilfe. Es gibt dort einen Arzt – eher Sanitäter, der nur Fieber messen kann und primitive Medikamente verschreiben kann. Das sind meistens Schmerzmitteln und Medikamente gegen Fieber. Seriöse Hilfe bekommt man im Lager nicht". Die Ärztin Anastasia Vassilieva, die versucht hatte Nawalny im Lager zu besuchen, sieht die Kompetenzen der anwesenden Ärzte ähnlich: "Ein Hungerstreik ist sehr gefährlich. Und ich hatte den Eindruck, dass wieder die Ärzte dort noch die Lagerleitung das begreifen," sagt sie im RTL-Gespräch.

„Ich weiß, dass er nicht vor hat aufzugeben. Er ist immer noch fröhlich und glücklich“

Der 44-Jährige hatte sich aus Protest gegen die Zustände im Lager in einen Hungerstreik begeben. Nawalny leidet mittlerweile unter ernsten gesundheitlichen Beschwerden wie Rückenleiden, Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen, Fieber und Husten. Vassilieva, Vorsitzende der Gewerkschaft der Ärzte, fordert mehr Neutralität von den Ärzten des Straflagers: "Jeder Arzt muss das Gleiche tun, das hat mit Politik nichts gemeinsam". Sollte Nawalny seinen Hungerstreik fortsetzen, droht ihm eine Zwangsernährung. Doch seine Frau bleibt optimistisch: "Ich weiß, dass er nicht vor hat aufzugeben. Er ist immer noch fröhlich und glücklich". Ihr Mann grüße alle und beteuere, dass alles gut werde.

Auch keine Bücher für Nawalny

Auch eine weitere Angelegenheit beschäftigt Nawalny selbst im Straflager. In einem Post von Dienstag schildert er, dass es ihm nicht gestattet sei, seinen eigens mitgebrachten Koran ausgehändigt zu bekommen. Diesen hatte er mitgebracht, um ihn während seiner Inhaftierung lesen und studieren zu können. Doch der Koran (und einige andere Bücher) müssen nun auf "Extremismus überprüft werden". Das Fazit: es gibt erstmal keine Bücher für Nawalny – für mindestens drei Monate, so lange soll die Überprüfung nämlich dauern. Grund genug für Nawalny Klage gegen das Straflager einzureichen: "Wenn ich für das Recht zu lesen vor Gericht gehen muss, werde ich vor Gericht gehen."

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