Navy SEALs im Blutrausch: Eliteeinheit wird zur Tötungsmaschine

08. Juni 2015 - 19:46 Uhr

"Globale Menschenjagd-Maschine"

Enthüllungen über Elitesoldaten der US-Marine sorgen weltweit für Empörung. Laut eines Berichts der 'New York Times', in dem sich Insider zu Wort melden, ist das 'Team 6' der Navy SEALs in den letzten Jahren zu einer "globalen Menschenjagd-Maschine" geworden. Die Truppe, die für schnelle, gezielte Einsätze gegen Terroristen in Kriegsgebieten aufgebaut wurde, operiert inzwischen global und jagt weitestgehend unkontrolliert Terrorverdächtige.

Schiff der US-Navy
Die Elitetruppe der US-Navy, das 'Team 6' der SEALs, macht Schlagzeilen, weil sie regelrechte Tötungsorgien veranstaltet haben sollen. Motivbild
© picture-alliance/ dpa/dpaweb, James Pinsky/Usn 1035788

Fast alles an der Truppe ist geheim. Noch nicht einmal der Name ist vom Pentagon offiziell bestätigt, darum ist es schwer zu überwachen, was die Soldaten während der Einsätze wirklich tun. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war die Truppe mit Geld und zusätzlichem Personal aufgestockt worden, sodass 'Team 6' inzwischen etwa 300 Elitesoldaten einsetzen kann. Durch die Tötung von Terror-Chef Osama bin Laden war das Team bekannt geworden und zuletzt beispielsweise in Afghanistan, Somalia, Syrien oder dem Irak gegen Terroristen im Einsatz. Immer häufiger sollen die Soldaten aber auch außerhalb von Kriegsregionen operieren.

Die befragten Militärangehörigen, die zum Teil in der Einheit selbst tätig sind oder waren, erheben schwere Vorwürfe: Die Spezialeinheit scheint außer Kontrolle geraten zu sein. In dem Bericht heißt es, dass die Einheit, die eigentlich für wenige kleine Spezial-Einsätze gedacht sei, inzwischen routinemäßig töte. Häufig fielen auch Zivilisten den Tötungsorgien der Truppe zum Opfer. Ein ehemaliger hochrangiger Offizier der SEALs sagte der 'New York Times': "Ob ich denke, dass es mehr Tötungen gab, als es hätte geben sollen? Sicher."

"Wenn es eine Bedrohung ist, töte es"

Seit dem 11. September 2001 seien tausende Missionen der amerikanischen Streitkräfte weltweit durchgeführt worden und alle hätten den Standards der US-Armee entsprochen, beteuerte der Kommandeur für Spezialoperationen. Einige Insider, die anonym bleiben wollten, zeichnen ein anderes Bild. Zwischen 2006 und 2008 habe es immer wieder besonders intensive Phasen gegeben. Innerhalb mehrerer Wochen hätte das 'Team 6' zehn bis 15 Menschen pro Nacht "ausgeschaltet", manchmal sogar bis zu 25. Auch von Leichenschändungen berichtet ein Soldat.

Auch zivile Opfer werden offenbar in Kauf genommen. Mehrere ehemalige und aktive SEALs sagten der Zeitung, dass sie von Tötungen einiger Zivilisten wüssten. Rechtlich dürfen die Elitesoldaten nur dann töten, wenn ihr Leben in Gefahr ist. Die meisten legen diese Regel allerdings so aus: "Wenn man selbst glaubt, bedroht zu sein, tötet man jemanden innerhalb von Sekundenbruchteilen." Das erklärte ein Unteroffizier. So habe beispielsweise ein Scharfschütze drei unbewaffnete Menschen – unter anderem ein kleines Mädchen – erschossen. Seinem Vorgesetzten habe er dann erzählt, die drei hätten für ihn eine Bedrohung dargestellt. Damit war die Sache rechtlich gesehen in Ordnung.

"Ich denke, die natürliche Schlussfolgerung war, wenn es eine Bedrohung ist, töte es. Und später wird dir klar: Oh, vielleicht habe ich die Bedrohung überschätzt", sagte ein ehemaliger Offizier. "Die Typen sind wild geworden", meint ein anderer, "die Tötungsorgien sind Routine". Die Missionen der SEALs, der 'Sea, Air, Land Forces', also der Streitkräfte zur See, zur Luft und zu Land, sind tödlicher, schneller und heimlicher geworden.

Das 'Team 6' ist laut der Zeitung eine der am wenigsten kontrollierten militärischen Organisationen. Die Einheit arbeitet weitestgehend im Geheimen und ist unabhängig vom Rest der US-Marine. Die Grenzen zwischen Soldat und Spion verschwimmen. Häufig finden Zusammenarbeiten mit der CIA statt. Die Elitesoldaten kommen in der Regel nachts zu schlafenden Gegnern und treffen "Entscheidungen über Leben und Tod in dunklen Räumen mit wenigen anwesenden Zeugen und fernab von jeglicher Kamera-Aufzeichnung", heißt es in dem Bericht. So kann häufig kaum rekonstruiert werden, was bei den Einsätzen der SEALs wirklich passiert.