Naturheilkunde als Medizin der Zukunft

Mit Blutegel oder Heilfasten Volkskrankheiten lindern

26. März 2021 - 16:55 Uhr

Von Daniela Halm

Blutegel, Kältegüsse, Heilpflanzen, Fasten oder Saftkuren – das alles gehört zur breiten Palette der modernen Naturheilkunde und die liegt im Trend. Lange wurde sie (oft auch von Ärzten) skeptisch betrachtet und manchmal sogar belächelt. Doch wissenschaftliche Studien belegen inzwischen ihre Wirksamkeit, und genau das ist eine Chance für die Schulmedizin. Die Zahl der Menschen mit chronischen Erkrankungen steigt, mit ihnen die Kosten für Therapien, viele Medikamente haben Nebenwirkungen. Hier könnten moderne Naturheilverfahren die Schulmedizin sinnvoll ergänzen. In unserem Video gibt Professor Michalsen, Experte für Naturheilkunde, seine fünf ultimativen Tipps für ein gesundes Leben.

Blutegel helfen bei Kniearthrose

Professor Andreas Michalsen lebt genau dieses Konzept, das Schulmedizin und Naturheilkunde kombiniert und "aus beiden Welten das Beste zusammenbringt", so der Mediziner. Michalsen ist Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité Berlin und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin. Er und sein Team behandeln jedes Jahr etwa zehntausend Patienten erfolgreich mit der Heilkraft der Natur. Er weiß, was besonders gut wirkt. Bei Diabetes hilft Heilfasten, bei Kniegelenksarthrose lindern Blutegel die Schmerzen über viele Monate und bei Rückenschmerzen ist Yoga der beste Tipp.

Lese-Tipp: Honig oder Intervallfasten? Welche Methode klappt besser?

Besser schlafen mit Melissentee und Safran

Gerade während der Corona-Pandemie sind viele Menschen angespannt und ängstlich. Auch da kann Naturheilkunde helfen. Michalsen empfiehlt eine Form des Fastens auszuprobieren, entweder ein fünftägiges Heilfasten oder Intervallfasten, eventuell mit ärztlicher Begleitung. Michalsens persönlicher Ernährungstipp ist ein gesunder Smoothie mit nur drei Zutaten. Welche das sind, sehen Sie im Video.

Aber auch genügend Schlaf ist für die Gesundheit enorm wichtig. Ein heißes Fußbad am Abend wirkt ebenso schlaffördernd wie eine Tasse Melissentee oder ein Extrakt aus Safran oder Winterkirsche.

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IM VIDEO: Experte für Naturheilkunde Professor Michalsen über Saftkuren

Patienten individuell behandeln

Naturheilkunde liegt im Trend und viele Patienten fragen verstärkt danach, das beobachtet Michalsen. Er behandelt vor allem Menschen, die schon lange unter chronischen Erkrankungen leiden. Diese Patienten kommen vor allem mit Stoffwechselerkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen) zu ihm oder mit Schmerz- und Entzündungserkrankungen wie Arthrose, Migräne, Rheuma oder Rücken- und Nackenschmerzen. Dabei hat er den Patienten ganz individuell im Blick. Dank seiner langjährigen Erfahrung sieht er, welche Kombination von Therapien bei welchem Menschen am besten wirkt und hat damit sehr gute Erfolge.

Die fünf Säulen der Naturheilkunde

Im Gegensatz zur Schulmedizin setzt die Naturheilkunde an verschiedenen Punkten an, das sind vor allem diese fünf Therapieverfahren:

  • Ernährung (vor allem Fasten)
  • Bewegung (Physiotherapie, Yoga etc.)
  • Heilpflanzen
  • physikalische Reize (Kältekammer, Kneippgüsse, Bäder, Wärme)
  • Psyche (Stressreduktion)

"Wir versuchen die Menschen mit natürlichen Verfahren sanft in Richtung Gesundheit zu drängen", so Michalsen und er wünscht sich vor allem, dass die Naturheilkunde in die Schulmedizin integriert wird. Wichtig ist ihm, dass beides wissenschaftlich geprüft und auch in Studien begleitet wird. Er arbeitet etwa eng mit Orthopäden zusammen und kann sich vorstellen, dass Naturheilkunde auch breitflächig in Kliniken zur Anwendung kommt. Patienten nach einer Krebsoperation könnten beispielsweise von Meditationstechniken profitieren. "Das tut einfach gut", so Michalsen und fördert das Gesundwerden.

Kurkuma wirkt gegen Entzündungen und Depression

Goldene Milch
Scharf trifft auf würzig: Für kalte Tage ist die Goldene Milch - auch Kurkuma Latte genannt - besonders passend. Ingwer, Kurkuma und Zimt wärmen den Körper und regen das Immunsystem an.
© deutsche presse agentur

Für die nächsten zwei Monate hat Michalsen noch einen ganz besonderen Tipp parat: Er empfiehlt Kurkuma und Ingwer in den Speiseplan einzubauen. Kurkuma hemmt Entzündungen, wirkt antidepressiv, schlaffördernd, reguliert die Verdauung und hat einen positiven Effekt auf Darmerkrankungen. Ingwer hat eine ähnliche Wirkung. Am besten täglich zwei gestrichene Teelöffel Kurkumapulver über das Essen streuen und drei bis vier dicke Scheiben Ingwer mit Wasser übergießen und als Tee trinken.

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Die Medizin der Zukunft

Viele Menschen leiden schon heute mit 50 oder 60 Jahren an chronischen Erkrankungen und nehmen täglich Medikamente ein, die nicht immer helfen, weil die Medizin noch nicht individuell genug Patienten behandeln kann. Der Einsatz von Naturheilkunde könnte dazu beitragen, die Einnahme von Medikamenten zu verringern und die Selbstheilungskräfte der Patienten zu stärken. Naturheilkunde kann die Schulmedizin unterstützen und ergänzen. Es ist kein Gegeneinander der verschiedenen Ansätze der Medizin, sondern ein Miteinander. Genau das ist die Vision von Michalsen. Er und sein Team machen es schon vor, wie das gelingen kann.