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Der Bundestrainer bricht sein Schweigen

Jogi lässt sportliche Fragen offen - ein Kommentar

Joachim Löw bei der digitalen Pressekonferenz am Montag.
Joachim Löw bei der digitalen Pressekonferenz am Montag.
© dpa, Thomas Boecker, tb dfb fdt

07. Dezember 2020 - 23:03 Uhr

Löw spricht - aber hinterlässt Fragezeichen

Joachim Löw hat nach der bitten 0:6-Pleite gegen Spanien sein Schweigen gebrochen. In seinem Statement attackierte der Bundestrainer den Deutschen Fußball-Bund, sprach sogar von "Explosionsgefahr", sagte aber herzlich wenig dazu, wie er die Nationalmannschaft wieder auf den richtigen Weg bringen will. Und darum geht es doch. Ein Kommentar.

Von Tobias Nordmann

Auf Worte zum Abschied verzichtete Joachim Löw. Womöglich wurden sie aber auch nur vom schnellen Abschalten des DFB-Livestreams verschluckt. Dass sich Löw nicht den guten Wünschen von Pressesprecher Jens Grittner an alle Zuhörer und Teilnehmer der virtuellen Pressekonferenz anschloss, kann aber auch anders interpretiert werden: Er hatte in den gut 60 Minuten zuvor alles gesagt.

Zumindest alles, was er sagen wollte. Was ER sagen wollte. Und dabei ging es erstaunlich wenig um das, was sehr viele Menschen erwartet hatten. Es ging sehr wenig darum, wie es sportlich mit der Nationalmannschaft weitergeht nach einem Jahr, das Öffentlichkeit (kritisch) und Verband (eher rosarot) sehr unterschiedlich interpretieren.

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Jogi setzt das Thema

Nun war es nicht so, dass sich der angezählte Bundestrainer peinlich aus einem kritischen Fragenhagel lavierte. Nein, den gab's nicht. Den gab's nicht, weil Löw direkt zu Beginn eine Wutkerze zündete, die zum Thema wurde. Es ging plötzlich um persönlichen Enttäuschungen des 60-Jährigen, um Indiskretionen beim DFB. Ob das nun abgesprochen war oder nicht – es ändert nichts daran, dass Löw die Runde früh in Bahnen lenkte.

Und er nahm den Kampf an, der erst am Sonntag von DFB-Direktor Oliver Bierhoff angekündigt worden war. Affektiv wurde der Bundestrainer auch dann, wenn es um ihn persönlich ging. Die "emotionale Distanz", die ihm der Verband nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien verschrieben hatte, empfand er als sehr unsinnig. Auch Fragen zu seiner Motivation, zu seinem Feuer nach der sportlichen Jahresendblamage - sie mündeten in deutlichen Bekenntnissen zu seinem Job, zu seinem Amt.

Ja, das 0:6-Debakel, es hatte ganz schön viel ausgelöst rund um die Nationalmannschaft. Der ewige Löw stand nie näher am Ende seiner Amtsewigkeit. Wie groß das Zittern bei ihm tatsächlich war, ob er wirklich fürchten musste, seinen Job zu verlieren? Nun, das bleibt unklar.

Klar wurde nur sehr schnell: Der 60-Jährige bleibt. Er hat seine Chefs beim DFB überzeugt. Von sich und seinem Weg. Und der sieht offenbar ein nuanciertes "Weiter so" vor. Den "roten Faden" in seiner Arbeit wolle er beibehalten, erklärte Löw eine Woche nachdem er seine Jobgarantie erhalten hatte. Er sei ABSOLUT überzeugt von seinem Weg, von der Qualität und der Leistung der Spieler.

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Bundestrainer erspielt sich Zeit

Was ihn aber überzeugt, das sagte er nicht. Was er für Lehren aus dem schwierigen Jahr gezogen hat, auch darüber gab's nichts an nachhaltig relevanten Informationen. Dass die Entwicklung der Mannschaft ins Stocken geraten sei, es lag auch an Corona. Das darf man dem Bundestrainer natürlich glauben. Belastungssteuerung der Stammspieler, kaum mal eine Einheit, exakt eine (so Löw), um taktische Dinge auszuprobieren - das sind durchaus plausible Argumente für ausbleibende Fortschritte des Teams. Dass andere Teams damit offenbar in diesem Jahr besser klargekommen sind - nun ja.

Mit dieser Pressekonferenz hat sich Löw Zeit und Ruhe erspielt. Bis Ende März bleiben die Ergebnisse seiner sportlichen Analyse bestens gesichert. Bis Ende März werden alle Debatten um den Bundestrainer ins Leere laufen, um die Nationalmannschaft, um Thomas Müller, um Mats Hummels und Jérôme Boateng. Über deren mögliche Rückkehr steht auch nach diesem Montag weiter ein stabiles "Nein, Ja, Neja". Es ist alles gesagt. Zumindest all das, was gesagt werden sollte. Und das war sehr wenig zum DFB-Team. Schade.

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