Nationalmannschaft: DFB-Team will gegen Frankreich und Peru Power-Fußball zeigen

05. September 2018 - 10:14 Uhr

Nationalelf auf Wiedergutmachungs-Tour Teil 1 und 2

Die deutsche Nationalmannschaft will mit aller Macht das WM-Debakel vergessen machen. Die Zeiten des reinen Ballbesitzfußballs sollen der Vergangenheit angehören.

Mannschaft heiß wie Frittenfett

Aufbruchstimmung statt WM-Tristesse, energiereicher Power-Fußball statt langweiligem Ballgeschiebe: Die bei der WM tief gefallenen Nationalspieler wollen das DFB-Team nach dem Desaster von Russland wieder in neue Höhen führen und sich mit den bitter enttäuschten Anhängern versöhnen. "Die Motivation ist riesengroß, sich selbst und allen anderen zu zeigen, dass man es besser kann", sagte Thomas Müller vor dem Nations-League-Auftakt am Donnerstag in München gegen Weltmeister Frankreich und dem Test am Sonntag in Hoffenheim gegen Peru (Sonntag ab 20.15 Uhr im TV bei RTL oder online im Stream bei TVNOW.de) mit Bestimmtheit.

Es müsse in der ausverkauften Allianz Arena "klar werden, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die sich zerreißt", fügte Müller mit Verve an: "Wir wollen wieder zu dem energiereicheren Spiel hinkommen, das nach Power-Fußball aussieht." Ganz wie beim erfolgreichen Saisonstart von Bayern München.

Kapitän Manuel Neuer saß im Ballsaal des noblen Hotels Hilton Park daneben und stimmte seinem Clubkollegen vollumfänglich zu. "Wir wollen in den Spiegel schauen und sagen: Wir haben alles gegeben und ein gutes Spiel gemacht. Wir wollen den Fans was zurückgeben und alles daransetzen, sie zufriedenzustellen", sagte der Torhüter entschlossen.

Schnelles Umschaltspiel ist Trumpf

Der Blick der DFB-Stars richtete sich am Dienstag nach der umfangreichen WM-Analyse von Bundestrainer Joachim Löw in der Vorwoche und den anhaltenden Diskussionen in der Öffentlichkeit nach vorne. Dass es im Rahmen der neuen Nations League beim ausgerufenen Neuanfang ausgerechnet gegen den Weltmeister um die Superstars Kylian Mbappe und Antoine Griezmann geht, sah Müller als "Super-Chance, die besser nicht sein kann. Es macht richtig Spaß, den Weltmeister zu Gast zu haben." Neuer sprach "vom Schönsten, was uns passieren kann. Jetzt können wir zeigen, was wir drauf haben". Und das "mit Spaß und Freude".

Nach drei Tagen und drei Trainingseinheiten soll am Donnerstag auch taktisch eine andere Handschrift zu erkennen sein. Man werde, so Müller, zwar "nicht komplett von unseren Fähigkeiten abweichen, aber wir wollen das Ganze modifizieren". Man wolle "den Fokus ein bisschen verschieben. Die Verteidigung des Tores wird mehr eine Rolle spielen", kündigte der Bayern-Profi an. Schnelles Umschaltspiel ist gefragt. Den über Jahre praktizierten Ballbesitzfußball dürfe man künftig "nicht soweit ausschmücken, dass wir nicht mehr erfolgreich sind".

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Thomas Mueller hat das Lachen nicht verlernt
© imago/DeFodi, Roland Krivec/DeFodi.eu, imago sportfotodienst

Müller und Co. wissen, dass sie unter Beobachtung stehen und der Druck riesig ist - auch auf Löw. Der Bundestrainer zeige jedoch deutlich, sagte Neuer vor einem Spiel "mit einer gewissen Symbolik" (Müller), dass er "mit uns wieder in die Erfolgsspur kommen will. Er hat einen klaren Plan und ist sehr hungrig, genau wie wir Spieler". Die Mannschaft wolle Löw "ein gutes Gefühl geben, dass er weiter auf uns bauen kann", ergänzte Julian Brandt. Man folge dem Coach, meinte Müller, "mit allem, was wir haben".

Sollte das am Donnerstag nicht ersichtlich werden, wartet auf die Nationalmannschaft und Löw ein heißer Herbst. Das weiß Müller: "Grundsätzlich wird man an Ergebnissen gemessen, die wollen und werden wir auch liefern." Ansonsten droht in den Duellen gegen Frankreich und die Niederlande im Oktober und November sogar der Abstieg aus der Nations League.

Er finde es trotzdem "besser", so der Münchner Offensivspieler, "Testspiele in eine Wettkampfform zu packen, auch mit der Gefahr abzusteigen. Das ist eine größere Herausforderung, man hat Leistungsdruck." Als ob der nach dem WM-Desaster nicht schon groß genug wäre.