Crash-Orgie in Mugello

Nächster Chaos-GP: Hamilton triumphiert beim 1000. Ferrari-Rennen

14. September 2020 - 14:57 Uhr

Formel 1 in Mugello: Verstappen raus - Ferrari blass

Zwei Massen-Karambolagen, ein Highspeed-Abflug, zwei Rote Flaggen, vier Startprozeduren: Der Renngott wollte beim 1000. Formel-1-Rennen der Ferrari-Geschichte offenbar Drama pur sehen. Soll er doch, dachte sich Lewis Hamilton! Dem Briten war das Chaos beim Toskana-GP in Mugello wumpe – er tütete seinen sechsten Saisonsieg ein, gewann souverän vor Mercedes-Rivale Valtteri Bottas und Alex Albon im Red Bull (Die Highlights gibt's oben im Video).

Da Ober-Bulle Max Verstappen zu den Crash-Opfern direkt nach dem Start gehörte und ausfiel, haben Hamilton und Bottas in der WM-Wertung jetzt noch mehr Vorsprung.

Ferrari konnte die veritable Unordnung nicht zu einer Jubiläums-Überraschung nutzen. Immerhin: Sowohl Charles Leclerc (Platz 8) und Sebastian Vettel (10) schafften es in die Punkte. Beim toskanischen Schrott-Festival kamen aber auch nur zwölf Autos ins Ziel.

Auf Rekordjagd: Lewis Hamilton baut Führung aus

Hamilton feierte bei der F1-Premiere in Mugello seinen 90. Grand-Prix-Sieg. Dem 35-Jährigen fehlt damit nur noch ein Erfolg, um Michael Schumachers Rekord von 91 Siegen einzustellen.

Im WM-Tableau baute Hamilton sein Polster auf Bottas aus. Der sechsmalige Champion liegt jetzt 55 Punkte vor dem Finnen. Verstappen ist mit 80 Punkten Rückstand im Titelkampf praktisch schon raus.

Leclerc mischt beim Toskana Grand Prix nur kurz vorne mit

Bei den rund 2.000 Tifosi an der Strecke schlugen die Herzen nur kurz höher. Mit einem Top-Start pirschte sich Leclerc von Rang 5 auf 3 vor, hielt danach mit viel Einsatz Lance Stroll im Racing Point hinter sich.

In den Runden 18 bis 21 wurde der Monegasse auf der langen Start/Ziel-Geraden dann aber von Stroll, Daniel Ricciardo (Renault), Albon und Sergio Perez (Racing Point) mühelos überholt. Der Ferrari wirkte gegen die Konkurrenz wie ein Auto aus einer unterklassigen Rennserie – da blutete das Scuderia-Herz.

An der Spitze roch es in der Toskana nur kurz nach Bottas-Sieg. Der Finne überholte Hamilton beim regulären Start, wurde beim Neustart aber in Kurve 1 vom Engländer außen abgekocht. Hamilton behielt auch beim zweiten stehenden Re-Start infolge eines Highspeed-Crashs von Stroll die Übersicht, hielt seinen Teamrivalen die letzten 13 Runden locker auf Distanz.

Red-Bull-Mann Albon gelang mit dem ersten Podest seiner Karriere ein Befreiungsschlag. Der 24-Jährige stand zuletzt in der Kritik, weil er gegen Verstappen bei den Bullen keine Weide sah.

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Der Mugello-Wahnsinn im Zeitraffer

Start: Hamilton pennt, als die Lichter ausgehen, Bottas geht an 1. Verstappen fällt ohne Power weit zurück, Leclerc schießt auf 3. In Kurve 2 eine Kettenreaktion: Monza-Sieger Pierre Gasly rumpelt in Kimi Räikkönen, der rauscht Verstappen ins Heck.

Gasly und Verstappen landen im Kiesbett, wo sie stecken bleiben. Auch Vettel ist vom Chaos betroffen. Er kann dem drehenden Carlos Sainz nicht ausweichen, reißt sich den Frontflügel ab und fällt auf den letzten Platz zurück. Das zu Ehren Ferraris rot lackierte Safety Car rückt aus.

"Wollen die uns umbringen oder was?!"

Fliegender Start/Runde 7: Das Pace Car kommt rein. Bottas bremst das Feld ein, beschleunigt auf der Geraden ganz, ganz spät. Ein Auffahrunfall wie bei einem Stau auf der Autobahn ist die Folge. Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo) knallt hinten in Kevin Magnussen (Haas), der wiederum räumt Nicholas Latifis Williams ab. Auch Sainz wirbelt raus. ROTE FLAGGE – Abbruch! Glück für Vettel, der als Allerletzter dem ganzen Schlamassel ausweicht.

"Das war richtig dumm, von dem, der da vorne war! Wollen die uns umbringen oder was?!", flucht Haas-Mann Grosjean am Funk.

Neustart: Bottas kommt gut weg, bleibt dann aber unerklärlicherweise innen und macht Hamilton außen die Tür auf – der zieht vorbei. Vettel verliert Platz 12 an Grosjean, schlägt aber eine Runde später mit einem schönen Manöver zurück.

Runde 15: Ricciardo will's im Renault wissen – der Aussie schnupft Perez auf und eröffnet als Fünfter die Jagd.

Runde 18-21: Mamma mia! Stroll, Ricciardo, Albon und Perez fahren an Leclerc vorbei, als säße dieser in einem Formel-2-Auto.

Arrabbiata-Kurve frisst Strolls Reifen

Runde 33: Als letzter Top-Fahrer holt sich Hamilton frische, harte Reifen. Die Reihenfolge nach den ersten Stopps: Hamilton, Bottas, Ricciardo, Stroll, Albon, Perez. Dahinter krallt sich McLaren-Pilot Lando Norris die rote Gurke von Leclerc und ist Sechster.

Runde 44: Die Arrabbiata-Kurve verschlingt Strolls linken Hinterreifen. Wegen eines plötzlichen Druck-Abfalls fliegt der Kanadier mit 270 Sachen ab, schlägt heftig in die Reifenstapel ein. Das Safety Car kommt, was die Fahrer zu einem zusätzlichen Reifenservice nutzen.

Dann wieder ROTE FLAGGE: Strolls Wrack muss gelöscht und geborgen, die zerdrückte Barriere geflickt werden.

Sebastian Vettel sogar hinter Räikkönen

Neustart II/Runde 46: Hamilton bleibt locker vorne, dahinter düpiert Ricciardo den wieder nicht in die Gänge kommenden Bottas. Nur eine Runde später holt sich der Mercedes-Pilot Platz 2 zurück.

Runde 50: Albon zerstört Renaults Traum vom ersten Saison-Podest. Der Thailänder schießt auf Start/Ziel an Ricciardo vorbei und macht Druck auf Bottas. Der antwortet mit einer Schnellsten Rennrunde.

Ziel: Hamilton gewinnt vor Bottas und Albon. Ricciardo wird starker Vierter, Perez und Norris machen ebenfalls fette Beute. Daniil Kvyat fährt im AlphaTauri als Siebter über den Strich, es folgen Leclerc und Räikkönen (Alfa Romeo). Vettel komplettiert die Top 10.