Testfahrten Barcelona | Tag 3

Nächster Rückschlag für Sebastian Vettel: Der neue Ferrari streikt

Circuit de Barcelona-Catalunya in Montmelo Spanien 21.2.2020, Formel 1 Wintertest, Sebastinan Vettel (GER), Ferrari neb
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21. Februar 2020 - 16:03 Uhr

Ferrari macht schlapp - Mercedes dreht auf

Sebastian Vettel rumpelt weiter in die neue Saison hinein: Nach seinem krankheitsbedingten Ausfall am ersten Testtag folgte am dritten und letzten Tag in dieser Woche der technikbedingte K.o. für den Ferrari-Star. Während der viermalige Weltmeister zweieinhalb Stunden zur Untätigkeit verdammt war, raste Mercedes-Pilot Valtteri Bottas zur Wochenbestzeit.

Vettel nur in einer Wertung top

​Vettel rollte rund eineinhalb Stunden nach Streckenöffnung auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya mit seinem SF1000 bei Kurve zwölf aus. Die Session musste für knapp eine halbe Stunde unterbrochen werden, um den roten Renner zu bergen und mit dem Abschleppwagen zurück zur Box zur bringen.

Als Grund für den Ausfall gab Ferrari Motorenprobleme an. Dabei hat die Scuderia den V6-Turbo bei den Tests in dieser Woche nach eigenen Angaben bislang nur in der niedrigsten Leistungsstufe betrieben. Das wäre auch eine Erklärung für die Zeitunterschiede zu Mercedes und Red Bull. Andererseits war Vettel kurz vor seinem erzwungenen Stopp mit der höchsten Geschwindigkeit aller Fahrer auf der langen Geraden gestoppt worden: 329 km/h.

Im Video: Vettel bleibt mit seinem SF1000 liegen

Bottas fährt Wochenbestzeit

Zum Vergleich: Mercedes-Mann Valtteri Bottas war an gleicher Stelle nur 314 km/h schnell. Nichtsdestotrotz raste der Finne im Laufe des Vormittags zur bislang schnellsten Rundenzeit in dieser Woche: In 1:15,732 Minuten kam er bis auf drei Zehntel an seine eigene Pole-Zeit beim Spanien-GP 2019 heran. Allerdings war Bottas damals auf der etwas härteren Medium-Mischung von Pirelli unterwegs, bei seinem schnellsten Versuch am Freitagvormittag hatte er eine Soft-Mischung untergeschnallt. Mercedes war damit das einzige Team am Freitagvormittag, das ein Auto mit Soft-Pneus auf die Piste schickte.

Lenkrad-Trick von Mercedes bleibt Gesprächsthema Nummer 1

Ein anderer Vergleich ist daher aussagekräftiger: Bottas' Bestzeit ist bereits knapp eine halbe Sekunde besser als die schnellste Testrunde vor der vergangenen Saison – und in diesem Jahr folgen noch dreieinhalb Testtage. Das spricht dafür, dass die Autos 2020 wesentlich schneller sein dürften als 2019.

Gesprächsthema Nummer 1 im Fahrerlager war am Freitag weiter der Lenkrad-Trick von Mercedes, der am Vortag erstmals aufgefallen war. Experten, Ingenieure und Fahrer rätseln, wie das sogenannte DAS-System (Dual Axis Steering) genau funktioniert und welche Vorteile es bringt.

Am Freitagvormittag standen unterdessen bei zunächst kühlen Temperaturen wieder bei allen Teams Aerodynamik- und Systemtests auf dem Programm. Erstmals waren dabei auch am Ferrari SF1000 große Messgitter zu sehen, bei den anderen Teams außerdem wieder verlaufende Farben (FloViz) und Minikameras zur Beobachtung von Spoilern unter Fahrbedingungen.

Verstappen fleißigster Pilot bis zur Mittagspause

Als dann mit steigenden Temperaturen die Rundenzeiten fielen, war der Vormittag für Vettel schon beendet. Im Zeitentableau rutschte der viermalige Champion bis zur Mittagspause um 13.00 Uhr auf den 9. und damit vorletzten Platz ab; Rückstand auf Bottas 2,652 Sekunden. Nur Wiliams-Pilot Nicholas Latifi war noch langsamer als Vettel. Der Kanadier war zudem für die zweite längere Unterbrechung der Vormittagssession verantwortlich: Er musste seinen FW43 knapp eine Stunde vor der Mittagspause auf der Start- und Zielgeraden abstellen.

Bis zu seinem Ausfall war Vettel mit 44 Runden der fleißigste Pilot, am Ende war es Red-Bull-Pilot Max Verstappen mit 86 Umläufen. Im Zeitentableau reichte es für den Niederländer jedoch nur zu Platz 5, 1,904 Sekunden hinter Bottas, der in einer eigenen Liga fuhr. Der Zweitplatzierte, Renault-Pilot Esteban Ocon, hatte bereits 1,370 Sekunden Rückstand. Auf den weiteren Plätzen folgten Lance Stroll (+ 1,606 Sekunden) im Racing Point und Daniil Kvyat (+ 1,695) im Alpha Tauri.

Vettel am Nachmittag wieder dabei

Schneller als Vettel waren noch Antonio Giovinazzi (+2,303) im Alfa Romeo, McLaren-Mann Carlos Sainz (+2,542)und Haas-Pilot Romain Grosjean (+2,648). Einziger Lichtblick für Vettel: Bis zum Start der Nachmittagssession um 14.00 Uhr soll sein SF1000 mit einem neuen Motor im Heck wieder einsatzfähig sein.