Wirbel um Beleidigung

Amiri nimmt Entschuldigung von Union-Spieler an - Club weist Rassismus-Vorwurf zurück

Nadiem Amiri geht angefressen vom Platz.
© dpa, Andreas Gora, fgj

16. Januar 2021 - 19:28 Uhr

Amiri berichtet von Entschuldigung, Union dementiert Vorwurf

Neuer Wirbel nach den Rassismus-Vorwürfen gegen einen Profi des 1. FC Union Berlin: Während der deutsche Fußball-Nationalspieler Nadiem Amiri von einer angenommen Entschuldigung berichtet, dementiert der Club die Vorwürfe.

"Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind aus den Emotionen heraus unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leid tun. Er hat mir das glaubwürdig versichert, deswegen ist die Sache für mich erledigt", wurde der 24-jährige Amiri am Samstagmorgen von seinem Verein Bayer Leverkusen bei Twitter zitiert.

Unions Manager Oliver Ruhnert dementierte die Rassismus-Vorwürfe jedoch wenig später – und sorgte so für Verwunderung. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat eine Untersuchung angekündigt.

Hitzige Auseinandersetzung nach dem Spiel

 Fussball, Herren, Saison 2020/2021, 1. Bundesliga 16. Spieltag, 1. FC Union Berlin - Bayer Leverkusen 1:0, hinten v. l. Nadiem Amiri Bayer 04 Leverkusen, Florian Hübner 1. FC Union Berlin nach Abpfiff im Dialog, 15.01. 2021, *** Football, men, seaso
Wurde offenbar rassistisch beleidigt: Leverkusens Nadiem Amiri zwischen Union-Spielern.
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Nach dem Bundesliga-Spiel zwischen und Union und Bayer (1:0) war es am Freitagabend im Stadion an der Alten Försterei zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung von Amiri mit mehreren Gegenspielern gekommen. Dabei sollen laut Aussage von Amiris Team- und DFB-Kollege Jonathan Tah die Worte "Scheiß Afghane" in Richtung von Amiri gefallen sein. Dessen Eltern waren in den 1980er Jahren aus Afghanistan nach Deutschland gekommen.

In ersten Reaktionen hatten Leverkusens Trainer Peter Bosz und die Verantwortlichen von Union den Vorfall scharf verurteilt. Urs Fischer, Trainer der Berliner, kündigte an, mit seinen Spielern die Ereignisse besprechen zu wollen. "Ich höre von beiden Seiten, dass da Worte gefallen sind. Ich möchte das in Ruhe klären und nicht was erzählen, was ich nicht weiß", betonte der Schweizer. "Solche Dinge haben auf dem Fußballplatz nichts verloren. Von daher gilt es sicherlich, das aufzuarbeiten."

Union-Manager weist Rassismusvorwurf zurück

Am Samstagvormittag wies Union Berlins Manager Oliver Ruhnert die Rassismus-Vorwürfe dann zurück und nahm Spieler Florian Hübner in Schutz. "Er hat sich so nicht geäußert", sagte Ruhnert in einem digitalen Pressegespräch. Dem Verteidiger Rassismus "anzudichten" sei schon alleine wegen der Hautfarbe von dessen Ehefrau "schwierig", fügte Ruhnert an.

Eine Sanktion gegen Hübner durch den Verein werde es daher nicht geben.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat eine Untersuchung angekündigt. Anfang der neuen Woche sollen entsprechende Ermittlungen aufgenommen werden. Alle Beteiligten sollen sich zu dem Vorfall äußern.

"Unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens duldet der DFB grundsätzlich keinerlei Rassismus oder Diskriminierung auf seinen Plätzen. Das ist für uns ein absolutes No-Go und wird bei Nachweis auch entsprechend bestraft", sagte der Vorsitzende des Kontrollausschusses, Anton Nachreiner.

rtl.de/dpa