"Wir sind alle verletzlich"

Maskenmangel & Co: Hausärzte ziehen für mehr Schutzausrüstung blank

28. April 2020 - 15:59 Uhr

Protestaktion "Blanke Bedenken" fordert mehr von der Politik

Hieß es anfangs noch, Deutschland sei im Kampf gegen die Corona-Pandemie gut vorbereitet, so scheint davon nicht mehr viel übrig zu sein. Mit nackter Haut versuchen jetzt Hausärztinnen und Hausärzte, sich in der Politik Gehör zu verschaffen: Ihnen fehlt es an Schutzausrüstung gegen das Virus, vielen bliebe nichts anderes übrig, als sich Masken, Schilde und Kittel selber zu basteln und zu nähen. "Wenn uns das Wenige, was wir haben, ausgeht, dann sehen wir so aus", schreiben sie auf der Website der Protestaktion "Blanke Bedenken". Die eindringlichen Bilder sehen Sie im Video.

"Wir sind an vorderster Front"

"Wir konnten uns nicht gut vorbereiten - das kann man nicht, wenn man ehrlich ist", heißt es weiter auf der Website. Um für die eigene Sicherheit und die der Patienten zu sorgen, brauche man mehr Schutzausrüstung. Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery fordert von der Politik vor allem FFP2-Masken. Die Ärztinnen und Ärzte betonen: "Wir behandeln den Großteil der Covid-19-Erkrankten sehr erfolgreich ambulant. Wir verhindern Ansteckung, wo es geht. Wir sind an vorderster Front."

Krankmeldungen sollen weiterhin telefonisch möglich sein

Um die ohnehin schon knappe Schutzausrüstung nicht für "medizinisch unnötige Untersuchungen" verschwenden zu müssen, fordert das Protest-Projekt außerdem, Patienten auch weiterhin telefonisch krankschreiben zu dürfen - und zwar über einen Zeitraum von maximal 14 Tagen: "Warum sollten wir potentiell infektiöse Patientinnen und Patienten zu unseren chronisch Erkrankten in die Praxen bestellen? Wir HausärztInnen sind gewohnt leichte Verläufe beobachtend zu begleiten und ggf. bei jeglicher Verschlechterung die Betreuung zu intensivieren." 

"Menschliche Nähe ist auch eine klinische Entscheidung"

Außerdem wollen die Ärztinnen und Ärzte unter anderem stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, etwa in Krisenstäben oder Beratergremien. Darüber hinaus fordern sie, Versuchsverbote in Pflegeheimen nicht nur mit Blick auf die Todesfallstatistiken regelmäßig auf ihre Angemessenheit zu prüfen, sondern auch das Wohlergehen und die Wünsche der betroffenen Risikogruppen zu berücksichtigen: "Das Zulassen von menschlicher Nähe, ebenso wie Hausbesuche und Visiten bei sterbenden, depressiven und einsamen Menschen ist in unserem Fach, das auf Beziehungen basiert, auch eine klinische Entscheidung."

In einer Petition sammeln die Ärztinnen und Ärzte Unterschriften, um ihre Forderungen zu untermauern.