Nach zwei Jahren: Assange will Ecuadors Botschaft verlassen

18. August 2014 - 20:04 Uhr

Kann er der Auslieferung nach Schweden entgehen?

Seit zwei Jahren sitzt Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London fest – aus Angst vor einer Auslieferung nach Schweden und möglicherweise weiter in die USA, wo er als Terrorist gesucht wird. Jetzt hat er angekündigt, die Botschaft verlassen zu wollen. Es sind aber viele Fragen offen.

Wikileaks-Gründer Julian Assange in London.
Assange bei der Pressekonferenz in Ecuadors Botschaft in London.
© picture alliance / empics, John Stillwell

Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks sagte auf einer Pressekonferenz: "Ich werde die Botschaft bald verlassen." Einen konkreten Zeitpunkt oder genaue Pläne nannte der Australier nicht.

"150 bis200 Reporterkollegen aus der ganzen Welt haben sich vor der ecuadorianischen Botschaft eingefunden und fragen sich, wann er geht", berichtet RTL-Reporter Ulrich Oppold aus London. Assanges Sprecher sagte, dies könne nur passieren, wenn die britischen Behörden die "Belagerung" der diplomatischen Vertretung beendeten.

Spekulationen in britischen Medien über Gesundheitsprobleme wies Assange zurück, das sei nicht der Grund. Er sagte lediglich, die Botschaft sei mangels Bewegungsmöglichkeiten ein Umfeld, "in dem jede gesunde Person mit der Zeit einige Schwierigkeiten bekäme".

Klage gegen FBI angekündigt

Im vergangenen Monat hatte Schweden seinen vier Jahre alten Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen bestätigt. Ecuador reagierte darauf mit einer Verlängerung des Asyls. Assange fürchtet vor allem eine Auslieferung durch die Behörden an die USA, wo er wegen der Enthüllung geheimer Dokumente als Terrorist betrachtet wird.

"Er wird sich den Vorwürfen aus Schweden stellen müssen", glaubt RTL-Reporter Oppold. "Es rechnen alle damit, dass Assange nach seinem ersten Schritt vor die Botschaft festgenommen wird. Dann würde er wahrscheinlich sehr bald nach Schweden überstellt."

Assange kündigte auf der Pressekonferenz an, das FBI verklagen zu wollen. Seit vier Jahren würde ohne Ergebnis gegen ihn ermittelt, kritisierte der 43-Jährige.

Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño rief dazu auf, eine politische Lösung zu finden. "Diese Situation muss ein Ende haben", sagte er in der gemeinsamen Pressekonferenz. Gleichzeitig versicherte er, Assange genieße weiterhin den Schutz des lateinamerikanischen Landes.

Mittlerweile hätten sich die Gesetze in Großbritannien geändert, so dass eine Auslieferung ohne eine Anklage nicht mehr möglich wäre, erklärte Patiño. Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson sagte: "Wenn der Fall jetzt neu wäre, würde er nicht ausgeliefert." Ecuador habe den schwedischen Behörden angeboten, Assange in der Botschaft zu befragen, sagte Patiño. Das sei rechtlich zulässig. "Die schwedischen Strafverfolger haben das in vielen Fällen getan." Im Fall Assange hätten die Behörden das allerdings abgelehnt. Assanges Anwälte hatten im Juli versucht, den Haftbefehl gegen ihn in Schweden aufheben zu lassen. Dieser Versuch scheiterte.