Nach Vergewaltigungen in Freiburg: Wie sicher fühlen sich Frauen noch?

05. November 2018 - 14:52 Uhr

Freiburg: Sexualdelikte um 70 Prozent gestiegen

Nach der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg fühlen sich viele Frauen nicht mehr sicher - vor allem nachts und in den späten Abendstunden. Ist diese Angst berechtigt? RTL-Reporterin Romy Schiemann war eine Nacht in der Stadt unterwegs.

"Seit rund zwei Jahren ist die Stimmung gekippt"

Vergewaltigung in Freiburg Wald Diskothek
In diesem Wald neben einem Diskoareal in Freiburg soll die 18-Jährige Mitte Oktober von mehreren Männern vergewaltigt worden sein.
© deutsche presse agentur

Nach zwei Verdächtigen, die möglicherweise an der Vergewaltigung der Studentin beteiligt waren, sucht die Polizei immer noch. Ihre DNA-Spuren konnten niemandem zugeordnet werden. Acht mutmaßliche Täter sitzen in Untersuchungshaft. Der Fall hat die Stadt in Baden-Württemberg erschüttert und die Stimmung verändert. "Ich bin jetzt seit acht Jahren hier. Früher hat man sich nie Gedanken gemacht, aber seit rund zwei Jahren ist das gekippt", sagt eine junge Frau. Und auch andere Frauen erzählen unserer Reporterin, sich nicht mehr sicher zu fühlen. Eine berichtet sogar, von einem Mann fast bis zu ihrer Haustür verfolgt worden zu sein. Ihr deutliches "Nein" soll ihn nicht abgehalten haben. Was RTL-Reporterin Romy Schiemann in der Nacht in Freiburg erlebte, sehen Sie im Video.

Streit um Sicherheit in Freiburg

Freiburg: Ein Polizeifahrzeug fährt in der Fußgängerzone vor dem Martinstor.
Der Fall in Freiburg hatte, vor allem wegen des zunächst nicht vollstreckten Haftbefehls, eine politische Dimension erreicht.
© dpa, Patrick Seeger, pse gfh

Schon vor zwei Jahren erschütterte der Mord an der Studentin Maria L. die Freiburger. Im Frühjahr dieses Jahres wurde ein afghanischer Migrant zu lebenslanger Haft verurteilt. Seit 2016 haben sexuell motivierte Straftaten in Freiburg deutlich zugenommen, obwohl die Gewaltdelikte insgesamt weniger geworden sind. Tatverdächtige waren häufiger Ausländer als Deutsche. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte eine Reihe von Maßnahmen angekündigt. Dazu zählen mehr Polizisten und mehr Razzien. Einen Sonderstab, der sich um gefährliche Ausländer kümmert, gibt es bislang im Landesinnenministerium. 

Die beiden Polizeigewerkschaften streiten unterdessen darüber, wie viele Beamte es zur Senkung der Kriminalitätsrate braucht. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält mehr Polizisten für den falschen Weg, weil in Freiburg bereits aufgestockt wurde und die Beamten dann an anderer Stelle fehlten. Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) widerspricht dieser Darstellung. "Ein alter Polizeigrundsatz heißt: In Brennpunkten Schwerpunkte setzen. Genau das machen das Innenministerium und das Polizeipräsidium und das ist richtig", sagte Ralf Kusterer.

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Haftbefehl gegen mutmaßlichen Haupttäter

Hauptverdächtiger Majd H. Vergewaltigung Freiburg
Majd H. gilt als Hauptverdächtiger im Vergewaltigungsfall von Freiburg. Er war den Ermittlern seit mehreren Monaten als Intensivtäter bekannt.
© Facebook

Die Behörden in Freiburg standen massiv in der Kritik, nachdem bekannt wurde, dass gegen den mutmaßlichen Haupttäter Majd H. bereits ein Haftbefehl vorlag, der aber nicht sofort vollstreckt wurde. "Wenn Sie schreiben, dass die Polizei es hätte verhindern können, haben Sie im Ergebnis recht", erklärte der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizeidirektion Bernd Belle Anfang November auf einer Pressekonferenz.