Nach Vergewaltigung in Siegaue bei Bonn: BGH hebt Urteil gegen Täter teilweise auf

Falls eine andere Kammer des Bonner Landgerichts zu dem Ergebnis komme, dass der Angeklagte bei der Tat vermindert schuldfähig war, könne seine Strafe geringer ausfallen, erläuterte eine BGH-Sprecherin.
Falls eine andere Kammer des Bonner Landgerichts zu dem Ergebnis komme, dass der Angeklagte bei der Tat vermindert schuldfähig war, könne seine Strafe geringer ausfallen, erläuterte eine BGH-Sprecherin.
© dpa, Henning Kaiser, hka sab ve

06. Juni 2018 - 19:58 Uhr

Die Schuldfähigkeit des 32-Jährigen muss nochmal geprüft werden

Die obersten deutschen Strafrichter des Bundesgerichtshof (BGH) haben zwar den Schuldspruch gegen einen 32-jährigen Vergewaltiger bestätigt, das Landgericht in Bonn muss dessen Schuldfähigkeit aber erneut prüfen. Der Mann hatte sich in der Siegaue bei Bonn an einer Camperin vergangen.

Sind elfeinhalb Jahre Haft zu viel?

Das Bonner Gericht habe nicht ausreichend dargelegt, inwieweit sich die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten nicht auf die Tat ausgewirkt habe, teilte der BGH mit. Deshalb müssten die Bonner Richter nun eine mögliche verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten prüfen und das Strafmaß neu festlegen. Das Landgericht hatte den Mann im vorigen Oktober wegen besonders schwerer Vergewaltigung und räuberischer Erpressung zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Den Schuldspruch - also die Verurteilung wegen Vergewaltigung und räuberischer Erpressung - bestätigte der BGH. Falls aber eine andere Kammer des Bonner Landgerichts nun zu dem Ergebnis komme, dass der Angeklagte bei der Tat vermindert schuldfähig war, könne seine Strafe geringer ausfallen, erläuterte eine BGH-Sprecherin.

Im Prozess bestritt der abgelehnte Asylbewerber aus Ghana die Tat

Laut Urteil hatte der 32-Jährige im April 2017 ein junges Paar in seinem Zelt überfallen. Er bedrohte seine Opfer mit einer Astsäge und vergewaltigte die damals 23 Jahre alte Frau. Im Prozess bestritt der abgelehnte Asylbewerber aus Ghana die Tat. Das Landgericht hatte auf Grundlage eines psychiatrischen Gutachtens eine Persönlichkeitsstörung des Angeklagten angenommen. Bei der Tat sei die Steuerungsfähigkeit des Mannes jedoch nicht eingeschränkt gewesen. Dies sah der BGH nicht ausreichend belegt.