Nach Unwetter-Walze: Bahn befürchtet größere Schäden als nach 'Kyrill'

12. Juni 2014 - 16:29 Uhr

Bahn: Schäden größer als nach 'Kyrill'

Die Aufräumarbeiten nach einem der heftigsten Unwetter seit Jahren sind in vollem Gange. Vor allem in Nordrhein-Westfalen hatte der Sturm große Schäden angerichtet. Noch immer ist mit erheblichen Beeinträchtigungen auf Straßen und Schienen zu rechnen. "Die Situation etwa um Essen und Dortmund ist verheerend. Es ist deutlich schlimmer als beim Orkan 'Kyrill' 2007", sagte eine Bahnsprecherin.

Unwetter, Gewitter, NRW
Viele Züge der Bahn stehen noch im Depot, weil ein Großteil der Bahnstrecken in NRW noch nicht befahrbar ist.
© dpa, Oliver Berg

Um das Ausmaß abzuschätzen, würden die Strecken inzwischen mit Hubschraubern der Bundespolizei abgeflogen. Anders sei es nicht möglich, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Zahl der blockierten Strecken sei trotz Hilfe aus anderen Bundesländern unverändert. 16 evakuierte Züge steckten noch fest. Ein geregelter Bahnverkehr sei unverändert noch nicht möglich. Große Bahnhöfe wie Düsseldorf und Essen sind weitgehend vom Zugverkehr abgeschnitten. Obwohl tausende DB-Mitarbeiter mit großem persönlichen Einsatz an einer Normalisierung der Lage arbeiten, sei noch nicht absehbar, wann die Züge wieder fahrplanmäßig verkehren.

Sechs Menschen waren bei den Hitzegewittern am Montagabend ums Leben gekommen, 67 Menschen wurden verletzt. Das Innenministerium geht davon aus, dass bis zum Wochenende landesweit rund 20.000 Einsätze von Polizei und Feuerwehr nach dem Unwetter abgearbeitet sind.

Versicherer sprechen von mindestens 100 Millionen Euro

Tief 'Ela' hat nach übereinstimmenden Angaben von Versicherern Schäden in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro angerichtet. Dies sei eine realistische Größenordnung, sagten Sprecher mehrerer Versicherungen, die nicht genannt werden wollten. Beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft hieß es, konkrete Zahlen lägen erst in einigen Wochen vor.

Auch die Landwirtschaft wurde von Unwettern schwer geschädigt. Allein in Nordhessen bezifferten Bauern die angerichteten Schäden mit bis zu fünf Millionen Euro. Betroffen sei vor allem die Wintergerste, weil diese kurz vor der Ernte stehe, sagte Daniel Rittershaus von der Vereinigten Hagelversicherung.

Mittlerweile sind die Unwetterzellen im Osten und Nordosten angekommen und ziehen jetzt nach Polen ab. Vereinzelt kann es in diesen Regionen, aber auch in Bayern und Baden-Württemberg, noch einmal zu Hagelschauern mit Unwettercharakter kommen. In der Nacht besteht vor allem in der Südhälfte sowie in Sachsen, Thüringen und Südbrandenburg nach wie vor noch Unwettergefahr.