Nach Tugce: Auch Joey (21) starb wegen seiner Zivilcourage

26. Juni 2015 - 12:42 Uhr

Raubmord im Supermarkt – Täter weiter auf der Flucht

Wenige Tage nach dem Raubmord in einem Supermarkt in Hannover sind rund 50 Hinweise bei der Polizei eingegangen, eine heiße Spur fehlt aber. Dabei prüfen Ermittler jetzt sogar bundesweit etwa 15 Fälle, die der Tat vom Donnerstag stark ähneln. Und die Polizei warnt noch einmal davor: Wer den Mann erkennt, sollte nicht mit falsch verstandener Zivilcourage den Helden spielen. Denn dass der Täter skrupellos ist, hat er mit dem tödlichen Schuss auf den 21-jährigen Joey K. gezeigt.

Joey K. RIP Foto Facebook
Mit diesem Foto ehren zahlreiche Menschen den getöteten Joey K. bei Facebook.

Die Ermittler fahnden weiter mit den Bildern einer Überwachungskamera nach dem etwa 40 bis 50 Jahre alten Mann. Nur einen Tag nach dem tödlichen Schuss auf Joey K. hat er vermutlich wieder einen Supermarkt überfallen - im zwölf Kilometer entfernten Hemmingen.

In beiden Märkten bedrohte er kurz vor Ladenschluss die Kassiererinnen mit einer Pistole. Bei dem Überfall in Hannover hatte die Angestellte dem Täter das Geld bereits gegeben, als Joey K. eingriff und versuchte den Räuber zu überwältigen. Der 21-Jährige wurde dabei durch einen Schuss getötet. Ein 29-Jähriger, der das Geschäft gerade betreten hatte, erlitt eine schwere Schussverletzung.

Beim zweiten Raub in einem Supermarkt in Hemmingen gab die Kassiererin dem Räuber das Geld nicht sofort, daraufhin griff er selbst in die Kasse. Beide Male verhielt sich der Mann zunächst wie ein Kunde und zog erst an der Kasse die Pistole. Nach beiden Taten flüchtete er mit einem Fahrrad.

Joey K. ist schon das zweite Opfer nach Tugce innerhalb weniger Wochen, dem Hilfsbereitschaft zum Verhängnis wurde. Wie viel Zivilcourage ist richtig, wann wird es gefährlich?

"Sozialer Mut ist gefragt, aber kein Heldentum"

Zivilcourage ist wichtig, sagt auch Tugces Familie - obwohl ihre Tochter sterben musste, weil sie andere vor einem 18-jährigen offenbar Betrunkenen beschützte. Wegsehen sei falsch, meint Macit Karaahmetoglu, Anwalt von Tugces Eltern: "Was für eine Gesellschaft wären wir, wenn in so einem Fall wie Tugce zwei 13-jährige Mädchen bedrängt werden, und alle gucken weg. Ich glaube, in solch einer Gesellschaft wollen wir nicht leben."

Sich einmischen, Umstehende hinzuziehen und die Polizei alarmieren, ist der richtige Weg, findet auch Norbert Kuntze vom Verein 'Tu was! Zeig' Zivilcourage!': "Sozialer Mut ist gefragt, aber kein Heldentum. Sind wie in diesem Fall Waffen im Spiel, dann sollte man natürlich noch mehr Abstand halten und sofort die Polizei rufen."

Vor dem Laden, in dem Joey K. jetzt starb, haben Menschen inzwischen Blumen niedergelegt. Im Netz verbreiten viele sein Foto mit dem Schriftzug 'RIP' - aus Respekt vor einem jungen Mann, der nicht wegsah.