Nach Treffen mit Putin in Helsinki: Trump steckt heftige Kritik ein – auch aus eigenen Reihen

17. Juli 2018 - 11:15 Uhr

Trump bei Putin handzahm

Gegen seine EU-Partner teilt US-Präsident Donald Trump gerne hart aus. Zuletzt wetterte er rund um den NATO-Gipfel gegen die Energie- und Verteidigungspolitik Deutschlands, dann riet er der britischen Premierministerin Theresa May, sich beim Brexit nicht auf Verhandlungen einzulassen, sondern die EU zu verklagen. Doch bei einem Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin am Montag zeigte sich Trump plötzlich handzahm – trotz der sonst so großen Differenzen zwischen den beiden Großmächten. In der Heimat hat Trump dafür jetzt heftige Kritik einstecken müssen – aus beiden politischen Lagern. Der Vorwurf: Der US-Präsident sei einen Kuschelkurs gefahren und habe sich von Putin in die Tasche stecken lassen.

"Beschämend", "schändlich", "verräterisch"

Haben Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU Computer der US-Demokraten und von Clintons Wahlkampflager angegriffen? Das zumindest behauptet das US-Justizministerium. Von Trump wurde daher vor dem Gipfel mit Wladimir Putin erwartet, den russischen Präsidenten mit der für Trump gewohnten Härte auf die Vorwürfe anzusprechen.

"Ich wiederhole, was ich schon mehrere Male gesagt habe: Russland hat sich nie eingemischt und wird sich nie einmischen – weder in innere amerikanische Angelegenheiten noch in einen Wahlprozess", erklärte Putin entschieden. Und Trump? Zeigte sich nach dem Treffen überraschend milde: "Ich habe großes Vertrauen in meine Geheimdienstleute. Aber ich werde Ihnen sagen, dass Präsident Putin in seinem Dementi heute extrem stark und kraftvoll war", sagte der US-Präsident.

In der Heimat hagelte es dafür heftige Kritik: "Er hat das Wort des KGB über die Männer und Frauen der CIA gestellt", sagte der Oppositionsführer im US-Senat, Chuck Schumer. Doch auch aus den eigenen Reihen waren schwere Vorwürfe zu hören. "Die heutige Pressekonferenz in Helsinki war eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken", teilte der Republikaner John McCain mit. Und auch der Republikaner New Gingrich kritisierte Trumps Kuschelkurs und sprach vom bislang ernsthaftesten Fehler des Präsidenten seit Amtsantritt vor rund anderthalb Jahren. Trump müsse seine Äußerungen über die US-Geheimdienste und Putin umgehend korrigieren, verlangte Gingrich via Twitter. Andere Politiker beschrieben Trumps Auftreten mit Worten wie "beschämend", "schändlich", "verräterisch", "gefährlich" oder "schwach".

Trump versucht, Wogen zu glätten

Die ungewöhnlich harsche Kritik konnte Trump nicht auf sich sitzen lassen. Über seinen gewohnten Kommunikationskanal Twitter meldete er sich während seines Rückflugs in die USA zu Wort: "Wie ich heute und oft davor gesagt habe, "ich habe RIESIGES Vertrauen in MEINE Geheimdienstleute. Allerdings muss ich auch anerkennen, dass wir uns nicht ausschließlich auf die Vergangenheit konzentrieren können, um eine hellere Zukunft zu bauen – als die beiden weltgrößten Atommächte müssen wir miteinander auskommen."

Putin-Lob für Trumps Rolle im Korea-Konflikt

Bei dem Treffen mit Donald Trump ging es neben den Manipulationsvorwürfen im US-Wahlkampf um den syrischen Bürgerkrieg, den Korea-Konflikt und energiepolitische Themen.

Nach einem Zweiergespräch in der finnischen Hauptstadt folgte ein Treffen in größerer Runde. Daran nahmen unter anderem die Außenminister Mike Pompeo und Sergej Lawrow teil. Trump hob nach dem Gespräch mit Putin die Militärzusammenarbeit beider Länder hervor, insbesondere die Rolle Russlands im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Putin lobte unterdessen Trumps Bemühungen im Korea-Konflikt. Der US-Präsident hatte im Juni den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un in Singapur getroffen.

Putin schlug den USA außerdem einen neuen Dialog zur atomaren Rüstungskontrolle vor. Die größten Atommächte der Welt stünden in einer besonderen Verantwortung, sagte Putin nach seinem Gipfeltreffen mit dem US-Präsidenten. Auch im Bereich Terrorismus und Cyber-Bedrohungen wolle man noch enger kooperieren. Besorgt äußerte sich Putin über die Raketenabwehrsysteme der USA und eine mögliche Aufrüstung im Weltraum.