Nach tödlicher ICE-Attacke

Mehr Videoüberwachung an Bahnhöfen in Deutschland

12. September 2019 - 17:15 Uhr

Seehofer und Bahn einig: Bahnhöfe in Deutschland sollen sicherer werden

Der tödliche Angriff auf den achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof im Juli hat bundesweit Schrecken ausgelöst. Die Politik versprach zu handeln. Nun gibt es konkrete Ankündigungen. Unter anderem wollen die Bahn und die Bundesregierung die Überwachung an Bahnhöfen ausweiten.

70 Millionen Euro für neue Kameras

ARCHIV - 24.08.2017, Berlin: Ein Bundespolizist steht im Bahnhof Südkreuz unter einer Kamera für die Gesichtserkennung. Bundesregierung und Bahn wollen die Überwachung an Bahnhöfen ausweiten. (zu dpa «Mehr Videoüberwachung und Gesichtserkennung an Ba
Bereits jetzt sind für die Videotechnik bis 2023 Mittel von mehr als 70 Millionen Euro vorgesehen.
© dpa, Wolfgang Kumm, wk kno

Innenminister Horst Seehofer war am Donnerstag mit Vertretern der Bahn sowie mit Verkehrsminister Andreas Scheuer zusammengekommen. Eine Sprecherin Seehofers sprach von einem "ausgesprochen konstruktiven" Gespräch.

So sollen bis Ende 2024 "nahezu alle großen Bahnhöfe" mit moderner Videotechnik ausgestattet werden. Bereits jetzt sind dafür bis 2023 Mittel von mehr als 70 Millionen Euro vorgesehen. Das Verkehrsministerium will bis dahin für die Bahn insgesamt 50 Millionen Euro ausgeben, was der Bundestag aber noch genehmigen müsste. Hinzu kommen 12,5 Millionen Euro von der Deutschen Bahn. "Wir tun alles für die Sicherheit der Bahnreisenden", erklärte Innenminister Horst Seehofer. 

Moderne Videotechnik erlaubt

ARCHIV - 25.04.2016, Hessen, Frankfurt/Main: Eine Überwachungskamera steht vor dem Hauptbahnhof. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) übergibt am 29.07.2019 1,2 Millionen Euro für die Instandhaltung der Videoanlagen im Frankfurter Bahnhofsviertel.
Bis Ende 2024 sollen "nahezu alle großen Bahnhöfe" mit moderner Videotechnik ausgestattet werden.
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Mit den Mitteln soll die Videoüberwachung auch mittels biometrischer Gesichtserkennung an Bahnhöfen vorangetrieben werden. Datenschützer sehen das allerdings skeptisch. Der Täter von Frankfurt war zudem gar nicht international zur Fahndung ausgeschrieben. Bei der intelligenten Videoüberwachung geht es hingegen um die Erkennung auffälliger Verhaltensmuster wie Schlagen, Treten oder Hinfallen. Polizisten müssten die Aufnahmen aber immer noch bewerten.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, sagte, Videoüberwachung könne ein Baustein für mehr Sicherheit sein. "Sie steigert das Entdeckungsrisiko für Täter. Sie wirkt so präventiv." Er merkte aber an: "Wichtig ist, wo solche Kameras installiert werden. Nur die Bahnsteigkante zu überwachen reicht nicht. Wir wollen gerne auch Taschendiebe etwa in der Bahnhofshalle damit aufspüren."

Was Horst Seehofer zum Thema Datenschutz sagt, zeigen wir im Video.

Mehr Sicherheitspersonal an deutschen Bahnhöfen

Fahrgäste der Deutschen Bahn am Kölner Hauptbahnhof. Köln, 12.05.2019 *** Passengers of Deutsche Bahn at Cologne Central Station Cologne 12 05 2019 Foto:xC.xHardtx/xFuturexImage
Die Deutsche Bahn will ihrerseits etwa zehn Millionen Euro im Jahr zusätzlich in die Sicherheit an Bahnhöfen und mehr Personal stecken.
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​An den Bahnhöfen sollen den Vereinbarungen zufolge künftig auch 1.300 zusätzliche Bundespolizisten patrouillieren. Da die Beamten noch ausgebildet werden müssen, sollen die Stellen erst bis 2024 besetzt sein.

Die Deutsche Bahn will ihrerseits etwa zehn Millionen Euro im Jahr zusätzlich in die Sicherheit an Bahnhöfen und mehr Personal stecken. "Wir zeigen null Toleranz gegenüber jeglicher Gewalt! Gemeinsam mit der Bundespolizei setzen wir alles daran, unsere Bahnhöfe und Züge sicherer zu machen", versprach Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla.

Tatverdächtiger in psychiatrischer Behandlung

​Am Hauptbahnhof von Frankfurt am Main hatte ein Mann am 29. Juli einen achtjährigen Jungen und dessen Mutter vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Das Kind starb noch im Gleisbett, die Mutter konnte sich in letzter Sekunde retten und wurde verletzt. Der Tatverdächtige, ein 40 Jahre alter Eritreer, wurde direkt nach der Attacke gefasst.

Er ist seit Ende August vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. In der Woche zuvor hatte ein 28-Jähriger im niederrheinischen Voerde eine 34-Jährige vor einen einfahrenden Zug gestoßen und getötet.