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Nach tödlicher Bärenattacke - Besuch im Wildtierpark von Shanghai: RTL-Reporterin erinnert sich

"Aggressiver großer brauner Bär sprang mit aller Kraft immer wieder gegen den Pick-up"

Nach tödlicher Bärenattacke - Besuch im Wildtierpark von Shanghai: RTL-Reporterin erinnert sich

Bären zerfleischen Mitarbeiter in Safaripark Vor den Augen der Touristen
00:51 min
Vor den Augen der Touristen
Bären zerfleischen Mitarbeiter in Safaripark

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Im Video: Aufnahmen der Bärenattacke

Die dramatischen Aufnahmen, wie Bären einen Tierpfleger in einem Wildtierpark in Shanghai zerfleischen , gingen um die Welt. Vor den Augen einer Besuchergruppe wurde der Zoo-Mitarbeiter angefallen und getötet. RTL-Reporterin Pia Schrörs hat die Anlage 2013 besucht und war damals fassungslos angesichts der Zustände vor Ort. Auch sie erlebte einen Vorfall mit einem aggressiven Bären. Für RTL.de erinnert sie sich nun an ihre Erlebnisse von damals.

Von RTL-Reporterin Pia Schrörs

Ich bin im Jahr 2013 vom Sender zum Wildtierpark geschickt worden, weil es Bilder gab, wie die Tiere mit lebenden Hühnern und anderen Tieren gefüttert wurden und ich das mal als Reporter selbst erleben und dokumentieren sollte. Damals drehte ich weite Teile meiner Reportagen selbst und schnappte mir also meine Kamera, nicht wissend, was mich genau erwarten würde.

Eine Fahrt, die ich nie vergessen werde

Der Park liegt weit außerhalb der Millionenmetropole und zumindest damals war er kein Besucher-Magnet. Ich parkte direkt vor dem Haupteingang auf einem riesigen Parkplatz und neben meinem Auto standen dort nur ein paar wenige Luxus-Karossen. Ansonsten gähnende Leere. Das erwähne ich, weil solche monströsen Anlagen wie dieser Wildtierpark häufig vor allem dazu genutzt werden, Parteikader oder Geschäftsleute aus anderen Regionen mit spektakulären Abenteuern zu beeindrucken. In dem Fall mit einer Fahrt durch den Park, die ich nie vergessen habe.

Mit einer Handvoll Offiziellen wurde ich in einen Pick-up-Truck verfrachtet, auf den sie ein Metallgitter installiert hatten, so dass wir also wie in einem Käfig auf dem Gefährt standen. Sitzgelegenheiten gab es damals nicht. Die Fahrt ging los, rasant und über steinige Schotterpisten. Es war schwer, sich auf den Beinen zu halten, deswegen hielt ich mich mit einer Hand an dem Gitter fest, die andere Hand an der Kamera, die auf meiner Schulter lag, um diese Eindrücke schon einmal mitzunehmen.

Pia Schrörs
Pia Schrörs hat als RTL-Korrespondentin in China gelebt.
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Ein aggressiver Bär sprang immer wieder gegen den Pick-up

Da ertönte wie aus dem Nichts ein lautes Gebrüll und der Pick-up wurde erschüttert. Mit Mühe konnte ich mich auf den Beinen halten. Ein Offizieller landete auf dem Boden. Der Fahrer bremste ab und wir kamen zum Stehen und mir wurde klar, was uns da erschütterte: Ein aggressiver, großer brauner Bär sprang mit aller Kraft immer wieder gegen den Pick-up. Ich riss meine Hand vom Gitter und versuchte mich breitbeinig in der Wagenmitte zu positionieren.

Wir wurden hin- und her geschmissen, denn der Bär hatte eine enorme Kraft. Während die Offiziellen offensichtlich genau auf diesen Kick gewartet hatten und das aufgebrachte Tier mit Gesten und Rufen weiter provozierten, packte mich neben meinen Bemühungen, die größtmögliche Distanz zwischen Gitter beziehungsweise Bär und mir zu bewahren, die Kamera nicht zu ruinieren und nicht hinzufallen, die Panik: Wie sicher war diese provisorische Metallkonstruktion, die allein uns von dem wilden Tier trennte, und die bedrohlich quietschte und klackerte?

Schweißausbrüche trotz winterlichen Temperaturen

Mein Vertrauen sowohl in die Qualität solcher chinesischen Konstruktionen als auch in die Voraussicht und Vernunft des Fahrers war eher gering. Trotz bitterer Kälte an diesem Wintertag überkamen mich Schweißausbrüche und ich versuchte, mich mit Atemübungen zu beruhigen. Der Pick-up drohte umzukippen. Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm der Fahrer die Fahrt wieder auf. Gewohnt rasant. Der Bär ließ ab.

Eine Fütterung mit Lebendtieren blieb mir an diesem Tag erspart. Wahrscheinlich war der internationale Aufschrei über die Bilder, die Tage zuvor um die Welt kreisten, zu laut, sodass der Park immerhin diese brutale Zuschauer-Attraktion sofort ausgesetzt hatte.

Wie es zu der tödlichen Bärenattacke im Wildtierpark von Shanghai kam

Der Tierpfleger hatte in einem Gehege gearbeitet, das Besucher mit Autos durchfahren dürfen, als die Tiere ihn plötzlich angriffen. Eine Besuchergruppe musste hilflos mit ansehen, wie die Bären den Mann töteten und zerfleischten. Andere Tierpfleger versuchten noch, ihrem Kollegen zur Hilfe zu eilen – vergeblich.

Der Park schloss den Wildtierbereich nach dem Vorfall vorübergehend und kündigte an, das Sicherheitskonzept überarbeiten zu wollen. "Wir tun unser Bestes, mit den Auswirkungen dieses Vorfalls fertig zu werden", teilte der Wildtierpark mit. Besucher können sich ihre bereits bezahlten Tickets erstatten lassen, wir der Sender BBC berichtet.