Sieben Menschen starben im Januar

Nach tödlichem Unfall in Südtirol: Gutachter nimmt Arbeit auf

Auto fährt in Südtirol in Reisegruppe
© dpa, -

19. Februar 2020 - 18:50 Uhr

In 60 Tagen soll das Gutachten vorliegen

Mehr als sechs Wochen nach dem tödlichen Verkehrsunfall deutscher Jugendlicher in Südtirol sind die Vorermittlungen für einen Prozess in eine wichtige Phase getreten. Das Landesgericht in Bozen bestellte am Dienstag offiziell einen Gutachter, unter anderem um das Auto des Unfallfahrers zu untersuchen, wie örtliche Medien am Mittwoch schrieben. Dieser habe seine Arbeit sofort begonnen. "Der Gutachter soll den Hergang des Unfalls rekonstruieren", sagte Anwalt Markus Wenter der dpa. Seine Kanzlei vertritt mehrere bei dem Unglück Geschädigte oder deren Angehörige. Laut "Südtirol News" sei der Gutachter ein Experte für 3D-Animationen. Das Gutachten soll in 60 Tagen vorliegen.

Familien fordern Entschädigungen

Am frühen Morgen des 5. Januar war ein Südtiroler Autofahrer in Luttach betrunken in eine Gruppe junger Deutscher gerast. Sieben Menschen starben durch den Unfall. Zehn weitere wurden verletzt. Die meisten Toten kamen aus Nordrhein-Westfalen. Der Verursacher war zunächst ins Gefängnis und dann Ende Januar in Hausarrest in das Kloster Neustift bei Brixen gekommen.

Wie Anwalt Wenter sagte, ist der nächste Gerichtstermin für den 27. April angesetzt. Wenn das Gutachten vorliege, könne die Staatsanwaltschaft Anklage erheben. Die Ermittler wollen vor allem wissen, wie schnell der Fahrer war. Übereinstimmenden Angaben nach wollen seine Verteidiger zudem prüfen lassen, ob die Unfallopfer die Straße auf dem dortigen Zebrastreifen überquerten, oder einige abseits davon vom Bus in Richtung Hotel gingen.

Während der Gutachter seine Arbeit aufnimmt, soll es bereits erste Gespräche und Verhandlungen zwischen den Opferfamilien und der Versicherung des Unfallverursachers geben. Das berichtet "Südtirol News" und beruft sich auf den Anwalt Alessandro Tonon, der von dem Wunsch nach einer schnellen Einigung spricht. Diese dürfte allerdings nicht einfach zu erzielen sein, da die Forderungen enorm seien.

Dennoch habe es laut Anwalt Markus Wenter erste Vorschüsse für einige Familien gegeben. Dabei soll es sich um Akontozahlungen handeln, mit denen die Familien die Behandlungskosten bezahlen können. Das berichtet Isabel Eisendle, Geschäftsführerin der Versicherung des Unfallfahrers Stefan L., in einem Interview mit der italienischen Nachrichtenseite 'rainews.it.